Argumente gegen 60-Tönner

60-Tönner sind eine Gefahr für die Verlagerung von der Strasse auf die Schiene, gefährlich für die anderen Verkehrsteilnehmerinnen und –teilnehmer, schädlich für die Umwelt und das Klima und Kostenfresser!
Eine Gefahr für die Verlagerung von der Strasse auf die Schiene
Bei einer Verlagerung des Gütertransports von der Schiene auf die Strasse[1] werden sich die Stückkosten des Strassenverkehrs um 20 bis 25 % reduzieren. Denn die Lastwagen werden bis zu 30 % mehr Waren befördern können. In Deutschland wird mit einem Rückgang des kombinierten Verkehrs (Schiene - Strasse) von über 55 % gerechnet.
Rund 7 Milliarden Tonnenkilometer würden auf die Strasse rückverlagert, wodurch 400'000 zusätzliche LKW-Fahrten entstünden. Ähnliche Auswirkungen wie in Deutschland dürften auch in der Schweiz zu erwarten sein.
Da die Megatrucks zu lang sind, wäre auch ein Huckepacksystem nicht mehr möglich. Die Situation hätte allerdings katastrophale Folgen für die Rentabilität des Lötschberg- und Gotthard-Basistunnels (NEAT).
Gefährlich für die anderen Verkehrsteilnehmerinnen und –teilnehmer
Megatrucks brauchen erheblich länger zum Überholen. Die Unfallgefahr für andere Verkehrsteilnehmende wie Velofahrerinnen und –fahrer oder Motrorradfahrerinnen und –fahrer nimmt zu. Auch die Gefahr von Lastwagenbränden in Tunnels erhöht sich, da grössere Mengen entflammbarer Güter transportiert werden.
Die Argumentation, dass für die gleiche Menge Güter weniger Fahrten erforderlich wären, basiert auf einer Milchmädchenrechnung. Wird die Strasse konkurrenzfähiger, wird das auf Kosten des Bahntransports gehen. Als Folge würde die Verkehrsbelastung auf den Strassen zunehmen. Viele autofreundliche Organisationen haben das bereits begriffen und sprechen sich deshalb gegen die Einführung der 60-Tönner aus.
Schädlich für die Umwelt und das Klima
Im Vergleich zum gewöhnlichen Lastwagen verbraucht ein 60-Tönner zwar bis zu 17 % weniger Treibstoff (was die Gütertransportkosten senkt) und stösst bis zu 15 % weniger CO2 aus. Dadurch konkurrenziert er aber den Schienentransport. Die Folge wäre eine Zunahme der Transporte auf der Strasse.
Die abgebildete Grafik stammt aus einer Studie des deutschen Fraunhofer Instituts[2] und zeigt, dass der Strassentransport langfristig zu steigenden CO2-Emissionen führen wird. In Europa wird mit einer CO2-Zunahme von jährlich zwei Millionen Tonnen für die nächsten 5 bis 20 Jahre gerechnet.
Der Schienentransport von Gütern verursacht im Durchschnitt 17 mal weniger CO2-Emissionen pro Tonnenkilometer als der Strassentransport. Sogar mit einem ganz neuen Lastwagen, der den strengen Euro 5-Normen entspricht, ist der CO2- und NOx-Ausstoss dreimal und die Feinstaubbelastung zweimal höher als beim Bahntransport.
Die CO2-Bilanz der 60-Tönner gegenüber den „normalen“ 40-Tönnern ist auch nur dann positiv, wenn die Gigaliner zu mindestens 77 % ausgelastet sind. Leer- und Halbleerfahrten sind jedoch sehr häufig.
Die Gigaliner verfügen über mehr Achsen und einen stärkeren Motor, dadurch verursachen sie mehr Lärm als die kleineren Lastwagen.
Kostenfresser
Die heutigen Strassen sind nicht für diese Riesen-Lastwagen konzipiert. Eine Anpassung der Strasseninfrastruktur, mit entsprechend hohen Kosten für die Steuerzahlenden, wäre unvermeidbar. Auch die Kantone würden zur Kasse gebeten. In seiner Antwort auf die Interpellation der freisinnig-demokratischen Fraktion (Keine Gigaliner auf Schweizer Strassen, 08.3498) beziffert der Bundesrat die zu erwartenden Kosten auf mehrere Milliarden Franken.
In Europa schätzt man, dass für die Anpassung der Autobahnbrücken Investitionen in der Höhe von 46 Milliarden Euro notwendig sind. Davon entfallen allein auf Deutschland etwa 8 Milliarden Euro. Auch Österreich müsste mehrere Milliarden Euro in Brückenanpassungen investieren. Die zusätzlich notwendigen Anpassungen für Parkplätze, Verkehrskreisel sowie Autobahnein- und ausfahrten würden die Kosten zusätzlich in schwindelerregende Höhen treiben.
Der Widerstand organisiert sich
In Europa kämpft eine Koalition aus 212 Organisationen, koordiniert von "allianz pro schiene" in Deutschland, gegen die Gigaliner. 47 Schweizer Organisationen beteiligen sich an dem Widerstand, darunter auch der VCS. In einigen der betroffenen Länder wurden auch nationale Kampagnen gegen die Gigaliner lanciert.
Auf www.nomegatrucks.eu und www.nomegatrucks.ch finden sich zahlreiche Informationen zum Thema. Gemäss Umfragen sind fast 75 % der Deutschen und Engländer gegen die Einführung der 60-Tönner.
Quellen
[1] Etude UIRR
[2] „Long-Term Climate Impacts of the Introduction of Mega-Trucks“, Study for the Community of European Railway and Infrastructure Companies (CER), Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) Karlsruhe, 12. Mai 2009



