Bern | 04.09.2015

Verkehrspolitische Weichen für die Zukunft stellen

Die ökologische Verkehrswende vorantreiben

Wiese

Für den VCS Verkehrs-Club der Schweiz ist eine Umorientierung des Verkehrswesens der einzige Ausweg aus der Sackgasse des Verkehrswachstums. Dieser Ausweg heisst ökologische Verkehrswende und muss zu einer Vorwärtsstrategie analog der Energiewende führen, forderte der VCS an einer Medienorientierung am Freitag in Bern.

Der Verkehr sei einerseits nützlich und trage zur Lebensqualität und der wirtschaftlichen Entwicklung bei. Andererseits verbrauche er zu viel Energie und verursache rund 40% der Treibhausgas-Emissionen der Schweiz, stellte VCS-Präsidentin und Nationalrätin Evi Allemann fest. «Zudem steigen die Kosten des Verkehrs an, insbesondere wenn man die Infrastrukturen massiv ausbauen möchte und gleichzeitig die bestehende Infrastruktur unterhalten und modernisieren muss.» Es stelle sich die Frage, ob immer mehr Fahrwege tatsächlich einen zusätzlichen ökonomischen Nutzen bedeuten.

«Damit der Verkehr klimafreundlich und ökologisch gestaltet werden kann, muss sich die Verkehrspolitik endlich nach neuen Massstäben orientieren», forderte Evi Allemann. «Wir müssen auf neue Technologien setzen statt auf Asphalt und Beton. Neue Entwicklungen gibt es sowohl bei der Fahrzeugproduktion wie auch bei Infrastruktur und Verkehrsmanagement.» Der öffentliche Verkehr lege an Marktanteil und Akzeptanz zu, eine weitere Verlagerung von der Strasse auf die Schiene müsse folgen.

So wie in der Energiepolitik in rund zehn Jahren ein Wandel erfolgte, muss aus Sicht des VCS nun dringend auch eine ökologische Verkehrswende aufgegleist werden. Dagegen stemme sich die Auto- und Betonlobby vehement mit Volksinitiativen wie auch mit Offensiven im Parlament. «Die Legislatur 2015 - 2019 wird für die ökologische Sanierung unseres Verkehrssystems absolut entscheidend sein», erklärte VCS-Vizepräsident Roger Nordmann. Die Prüfung der politischen Agenda zeigt laut Nordmann, dass die Schweiz nicht nur vor einer Richtungswahl zwischen Sanierung und Stagnation stehe.

Angesichts von drei Volksabstimmungen im kommenden Jahr sei auch ein Rückfall in die ungebremste Automobilität der 1960er Jahre möglich. Die «Milchkuh-Initiative» peile einen Autobahnausbau zu Lasten der Bundesfinanzen an. Zuvor könne die Abstimmung über eine zweite Autobahnröhre durch den Gotthard ein falsches Signal einer Rückverlagerung von der Schiene auf die Strasse setzen. Die Initiative «Pro Service Public», die in dieser Session im Nationalrat behandelt wird, gehöre ebenfalls zu diesen falschen «guten Ideen», sagte Nordmann. Es gebe weitere wichtige Verkehrsdossiers, die neue Legislatur werde schwieriger als die zu Ende gehende. Es gelte nun, ein Parlament zu wählen, das sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzt.

Dass es einige ökologische Ansätze gibt, zeigte VCS-Vorstandsmitglied Anne Mahrer. So sind dank VCS-Initiativen wie PAWO für autoarmes Wohnen und MIWO Mobilitätsmanagement in Wohnsiedlungen vielerorts in der Schweiz nachhaltige Quartiere entstanden und der Velo- und Fussverkehr verbessert worden. «Bei der Verkehrssicherheit hat der VCS ebenfalls Akzente gesetzt mit Mobilitätskonzepten für ältere Menschen wie auch für Schulkinder», gab Mahrer weitere Beispiele. Der VCS habe etwa bei der Einführung von Tempolimiten und der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe eine tragende Rolle gespielt und setze sich derzeit für die Velo-Initiative ein. Solche Ansätze gelte es auszubauen zugunsten einer Mobilität im Dienste aller Verkehrsteilnehmenden.

Kontaktinformationen

Kontakt: Evi Allemann, Präsidentin VCS-Schweiz, Tel.: 079 560 72 94;
Roger Nordmann, Vizepräsident VCS Schweiz, Tel.: 079 290 06 74
Anne Mahrer, Mitglied Zentralvorstand VCS Schweiz, Tel.: 079 249 72 17