Bern | 08.10.2015

TV-Bericht zeigt systematische Ausnützung von Schlupflöchern der Autohersteller

VCS fordert Überwachung des Schadstoffausstosses auf der Strasse

Autobahn Lead

Der VW-Abgas-Skandal ist die Spitze eines Eisbergs. Bei der Schadstoffmessung gehört die Ausnützung von Schlupflöchern zur Norm, zudem verzögert und verhindert die Autolobby die Einführung von Realmessungen. Der VCS fordert nachdrücklich systematische Realtests der Abgaswerte.

Ein TV-Bericht der «Rundschau» von gestern Mittwochabend zeigte, wie Autohersteller bei den obligatorischen Labortests alle möglichen Schlupflöcher ausnutzen, um die Abgasgrenzwerte und den Treibstoffverbrauch tief zu halten. Optimiert werden allerlei Parameter, sodass die Schadstoff- und Verbrauchswerte niedrig ausfallen. Der Unterscheid zwischen solchen Laborwerten und dem tatsächlichen Schadstoff-Ausstoss auf der Strasse beträgt der Rundschau zufolge bis zu 40 Prozent.

Auf die Differenzen zwischen Norm und Realwerten machen der VCS wie auch weitere Umwelt- und Konsumorganisationen seit langem aufmerksam. Dennoch beruft sich die Autobranche auf diesen Norm-Zyklus, er diene der Vergleichbarkeit von Autos, sagte Andreas Burgener, Direktor von Autoschweiz, gegenüber der «Rundschau». Zudem betreffe der VW-Abgas-Skandal um die manipulierten Stickoxidwerte (NOx) nur einen Dieselmotor und seine Varianten.

Nach Angaben von Transport & Environment, der europäischen Dachorganisation des VCS, werfen die Emissionstests für Stickoxide auch ein Licht auf den Umgang mit anderen Schadstoff-Messungen der gesamten Autobranche. Diese wolle die erforderlichen Verbesserungen des Messzyklus bis mindestens Herbst 2019 hinauszögern statt wie von der EU-Kommission verlangt Anfang 2017.

VCS fordert konsequente Überwachung des realen Schadstoffausstosses auf der Strasse statt im Labor

«Die Autoindustrie verkennt die Lage. Sie nimmt die Gesundheit der Bevölkerung und die Umwelt zu wenig ernst», kritisiert Caroline Beglinger, Co-Geschäftsleiterin VCS. Wo die Kundschaft bei jedem Produkt deklariert erhalte, was drin sei, wüssten die Autofahrenden kaum, wie sauber oder dreckig ihre Autos tatsächlich unterwegs sind. «Wir brauchen die Verlässlichkeit bei allen Modellen», fordert Caroline Beglinger.

Für den VCS ist angesichts der gesundheitsgefährdenden Emissionen rasches Handeln gefragt. Die Schweiz soll umgehend eine systematische Feldüberwachung des Schadstoffausstosses einrichten, reale Messungen auf der Strasse statt im Labor. Zudem müssen die Schadstoffgrenzwerte dringend eingehalten werden.

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Kontaktinformationen

Caroline Beglinger, Co-Geschäftsleiterin VCS, Tel.: 079 310 11 86