Mehr als 70 Organisationen fordern jetzt Massnahmen für wirksamen Hitze- und Klimaschutz und rufen zu landesweiten Protesten auf
Unter dem Bündnisnamen «Keine 50°C-Sommer!» fordern über 70 Organisationen aus der Zivilgesellschaft, dem Klima-, Gesundheits- Umwelt- und Landwirtschaftsbereich sofortige und wirksame Hitze- und Klimaschutzmassnahmen. Gleichzeitig rufen sie zu breiten Mobilisierungen am 19. September in der Romandie und am 25. September in der Deutschschweiz auf.
Der Sommer 2026 konfrontiert die Schweiz mit extremer Hitze und ungekannter Trockenheit. Die Folgen sind zahlreich und umfassend: unerträgliche Temperaturen in Schulzimmern, an Arbeitsplätzen, in Spitälern, Hitzetote, überlastete Notaufnahmen, Notstände in der Landwirtschaft und Stress für lokale Ökosysteme. Dies zeigt deutlich: Die Klimakrise ist längst schon Realität.
Die unterzeichnenden Organisationen warnen: «Diese neue Realität ist erst der Anfang». Laurène Descamps von der Koalition erklärt: «Ohne einen grundlegenden politischen und wirtschaftlichen Kurswechsel könnten bis zur Mitte des Jahrhunderts Sommertemperaturen von bis zu 50°C in der Schweiz drohen». Neue Schweizer Klimaszenarien von MeteoSchweiz bestätigen, dass solche Temperaturen unter extremen Klimaszenarien im Jahr 2050 nicht ausgeschlossen sind.
Anerkennung der Klimakrise und konsequente Emissionsreduktion
Neben unmittelbaren Schutzmassnahmen fordert das Bündnis die Anerkennung der Klimakrise und den sofortigen Ausstieg aus fossilen Energien. Ohne konsequente Reduktion von Treibhausgasen bleiben auch die wirksamsten Massnahmen zur Anpassung letztendlich Symptombekämpfung.
Die Schweiz verfehlt laut Bundesamt für Umwelt BAFU weiterhin ihre bereits tiefen Klimaziele, investiert ungenügend in den Klimaschutz und hält an Strukturen fest, die die Klimakrise weiter anheizen. Notwendig sind deshalb tiefgreifende Veränderungen in allen Sektoren (besonders in Verkehr, Industrie, Wirtschaft, Gebäude, Landwirtschaft). Verursacher von Treibhausgasen sollen für die entstehenden Klimaschäden bezahlen.
Zudem braucht es wirksame Regulierungen von besonders klimaschädlichen Industrien, um die aus der Schweiz historisch mitverantworteten Emissionen rasch zu senken. Die Schweiz trägt über ihren Finanzplatz, den Rohstoffhandel und international tätige Konzerne eine besonders starke Verantwortung. Der Schweizer Finanzplatz verantwortet gemäss WWF Schweiz allein das 14- bis 18-fache der gesamten inländischen CO2-Emissionen der Schweiz.
Das Bündnis betont zudem die globale Dimension der Klimakrise. Die gravierendsten Folgen treffen bereits heute Menschen im globalen Süden, die am wenigsten zur Erderhitzung beigetragen haben. Deshalb braucht es eine sozial gerechte Transformation, die Klimaschutz, soziale Sicherheit und globale Verantwortung miteinander verbindet.
Sofortige Schutzmassnahmen gegen die Hitze
«Diese Hitze bedroht die Gesundheit und das Leben der Menschen», sagt Dr. med. Bernhard Aufdereggen, Präsident der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz. «Schutzmassnahmen für vulnerable Mitmenschen, aber auch für das Klima sind dringend und rasch zu realisieren.»
Die Organisationen fordern schnell umsetzbare Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung. Dazu gehören die zügige und flächendeckende Begrünung von Städten und Siedlungen, die klimaresiliente Sanierung von Gebäuden – insbesondere von Schulen und öffentlichen Einrichtungen –, verbindliche Massnahmen zum Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (wie beispielsweise angepasste Arbeits- und Unterrichtszeiten während Hitzewellen oder ein garantiertes Gehalt im Falle einer Arbeitsunterbrechung bei extremer Hitze) sowie wirksame Schutzmassnahmen für besonders gefährdete Personen, wie der freie Zugang zu gekühlten Räumen.
Ausserdem braucht es dringend Unterstützung für Landwirt*innen bei Ernteausfällen, dem Tierwohl und der Klimaanpassung. «Bäuer*innen kämpfen mit einer Trockenheit, die vielerorts jedes bekannte Mass sprengt. Schon jetzt ist klar: Die extreme Hitze wird erhebliche Ernteausfälle verursachen», erklärt Karel Ziehli von der Bäuerinnen- und Bauern-Organisation Uniterre.
Schweizweite Proteste am 19. und 25. September
Mit den Mobilisierungen vom 19. September in der Romandie und vom 25. September in der Deutschschweiz wollen die Organisationen den politischen Druck auf Bundesrat und Parlament erhöhen und ein starkes Signal für eine konsequente Klimapolitik aussenden.
Das Bündnis ruft weitere Organisationen, Parteien, Vereine, Bewegungen und die breite Bevölkerung dazu auf, sich den Klimademos anzuschliessen.
«Die Klimakrise endet nicht mit diesem Sommer. Gemeinsam müssen wir den Druck erhöhen, um sofortige Schutzmassnahmen durchzusetzen und gleichzeitig den Weg für eine gerechte gesellschaftliche Transformation zu ebnen. Eine Zukunft mit 50-Grad-Sommern darf keine Option sein», erklärt Moritz Wülser vom Bündnis.
Für weitere Auskünfte stehen zur Verfügung:
- Jelena Filipovic, Co-Präsidentin VCS Schweiz, 079 289 06 41
- Medienstelle VCS, 079 708 05 36, medien@verkehrsclub.ch