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Bahnweiche
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Tatsächlich ist die Schweiz mittlerweile gut an das europäische Bahnnetz angebunden. Richtung Italien werden ab dem Fahrplan 2026 zusätzliche Züge zwischen Zürich und Mailand angeboten, bestehende Direktverbindungen werden bis nach Florenz verlängert, und Ferienzüge fahren neu bis an die ligurische Küste und nach Livorno.

Auch Richtung Deutschland und Frankreich ist ein Ausbau vorgesehen: So entstehen zusätzliche Direktverbindungen etwa ab Chur und Brig, und saisonale Züge von Marseille nach Lausanne verkehren länger und häufiger. Derweil prüfen die SBB einen Direktzug nach London, und auch schnelle Tagverbindungen nach Rom und Barcelona stehen als Perspektive im Raum.

Bahnbetreiber benötigen Planungssicherheit. Wenn diese fehlt, werden sie kaum Experimente wagen.

Stéphanie Penher

Das Kopenhagen-Malmö-Debakel

Parallel dazu setzt der Bund eigentlich verstärkt auf Nachtzüge als gute Alternative zum Fliegen. Jedoch sind diese kostenintensiv und gelten in der Branche als defizitär: Ein Nachtzug hat weniger buchbare Plätze als ein Zug im Tagesbetrieb. Zusätzliches Personal in der Nacht, längere Fahrzeiten sowie Zuschläge für Nachttrassen treiben die Kosten weiter in die Höhe.

Darum sieht das CO₂-Gesetz eine Anschubfinanzierung für den internationalen Bahnverkehr (und insbesondere für Nachtzüge) von bis zu 30 Millionen Franken pro Jahr vor; effektiv stellt der Bund derzeit jedoch nur rund 10 Millionen Franken jährlich in den Haus halt ein. Doch selbst dieser Beitrag ist umstritten und dürfte nicht ausgegeben werden.

Das zeigte sich am Beispiel des Nachtzugs von Basel nach Kopenhagen und Malmö, welchen die SBB für dieses Jahr ankündigten. Rund 47 Millionen Franken hat der Bund für die ersten fünf Betriebsjahre bereitstellen wollen. Doch die eidgenössischen Räte haben die nötigen Kredite gestrichen und die Verbindung noch vor dem Start gebodigt. «Für Investitionen in das Nachtzugangebot ist solcherlei Gift», sagt VCS-Geschäftsführerin Stéphanie Penher. «Bahnbetreiber benötigen Planungssicherheit. Wenn diese fehlt, werden sie kaum Experimente wagen.»

Gleichzeitig verschärft die Schweizer Finanzpolitik den Druck weiter: Mit dem Sparprogramm hat das Parlament milliardenschwere Massnahmen beschlossen, die ab dem kommenden Jahr greifen. Mit negativen Folgen für Klimaziele und Verkehrsverlagerung. Zusätzliche Mittel, um das internationale Bahnangebot gezielt zu stärken, sind in Bundesbern der zeit kein Thema.

Mehr «Flug statt Zug» als umgekehrt

Besonders stossend: Während die Bahn um jeden Franken ringen muss, profitiert die Luftfahrt weiterhin von erheblichen indirekten Subventionen, kritisiert Penher: «Kerosin für Flüge ins Ausland ist in der Schweiz weitgehend von der Mineralölsteuer befreit. Jene Subventionen, welche klimagerechten Nachtzügen versagt werden, fliessen damit in den Klimakiller Flugverkehr.» Die Steuerbefreiungen bedeuten für die Bundeskasse hunderte Millionen Mindereinnahmen – Geld, das im öffentlichen Verkehr schmerzlich fehlt.

Das Zeitalter der Sparapostel

Doch die Zeichen stehen auch anders wo nicht gut: Selbst die österreichischen ÖBB, bislang europäische Lokomotive der Nachtzüge, treten bei Letzteren derzeit auf die Bremse. Bereits 2025 wurde der Nightjet zwischen Berlin und Brüssel eingestellt, und auch den Nachtzug nach Paris stoppten die ÖBB – weil französische Fördermittel entfallen.

In Bezug auf die Schweiz appelliert Penher an die Politik: «Der internationale Bahnverkehr – seien es Tages- oder Nachtverbindungen – benötigt endlich ein klares politisches Bekenntnis. Eines, das nicht bei jeder Spardebatte erneut infrage gestellt wird.» Nötig seien stabile, mehrjährige Finanzierungsentscheide, der konsequente Wille zum Ausbau so wie ein Abbau der steuerlichen Ungleichbehandlung von Bahn und Flugzeug: «Nur so wird die Schweiz ihrer Rolle als Bahnland gerecht – und kann ihren Bei trag zu einem klimaverträglichen europäischen Verkehrssystem leisten.»