Umfrage zu Tempo 30
Die vom Bundesrat verhängten Verschärfungen für die Einführung von Tempo 30 fallen bei den Befragten durch.
Im Herbst 2025 schickte der Bundesrat eine Überarbeitung der Strassenverkehrsordnung in die Vernehmlassung. Das Ziel war klar: beim Schutz vor Verkehrslärm sollte die Autonomie von Gemeinden und Kantonen verringert werden. Bundesrat Albert Rösti möchte die Möglichkeit abschaffen, dass Gemeinden Tempo 30 auf Hauptstrassen einführen können. Stattdessen möchte er verpflichtend lärmarme Beläge verbauen lassen – die teurer und weniger wirksam sind.
Indem der Bundesrat diese Änderung via Verordnung erreichen will, vermeidet er sowohl parlamentarische Debatten als auch ein mögliches Referendum. Dieses Vorgehen ist aus Sicht des VCS inakzeptabel. Daher hat er das Umfrageinstitut Demoscope mit einer repräsentativen Befragung beauftragt.
Die Ergebnisse sind eindeutig: Eine Mehrheit der Befragten lehnt Einschränkungen bei der Einführung von Tempo 30 sowie der kommunalen und kantonalen Autonomie ab. Diese Resultate bestätigen, dass diese durch die Verordnung auferlegten Neuerungen ungerechtfertigt und undemokratisch sind.
Grosse Mehrheit lehnt die Aufsicht von Gemeinden und Kantonen ab
Fast 70 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass Gemeinden und Kantonen wie bisher selbst entscheiden sollten. Diese sind mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut und dazu in der Lage, selbst die geeignetsten Massnahmen zu treffen, um ihre Bevölkerung vor übermässigem Strassenlärm zu schützen.
Die Einschränkungen überzeugen die Befragten nicht
Die Mehrheit der Befragten (51 Prozent) lehnt den Vorschlag des Bundesrats ab, Tempo 30 auf Hauptstrassen aus Lärmschutzgründen einzuschränken und stattdessen für den Lärmschutz zwingend Flüsterbeläge zu verbauen.
Tempo 30: Vorteile für die Verkehrssicherheit werden von einer grossen Mehrheit anerkannt
Temporeduktionen haben viele Vorteile. Der Lärm wird geringer, die Verkehrssicherheit verbessert sich erheblich, insbesondere für Kinder und ältere Menschen. Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU sinkt die Zahl der schweren Unfälle um mindestens ein Drittel, wenn Tempo 30 statt Tempo 50 gilt. So liessen sich in der Schweiz jährlich 640 Schwerverletzte und 20 Todesfälle verhindern.
Die Befragten sind sich dessen bewusst: 68 Prozent befürworten Temporeduktionen aus Sicherheitsgründen, selbst wenn dies leicht längere Reisezeiten bedeutet. Diese sind im Übrigen gering: etwa 20 Sekunden pro Kilometer auf einem Abschnitt mit 30 km/h. Für die Mehrheit der Autofahrer*innen macht das gesamthaft maximal wenige Minuten aus.
Wer an einer Strasse mit Tempo 30 lebt, ist zufrieden
Von den Menschen, die entlang einer auf Tempo-30-Strasse leben, sagen 79 Prozent, dass sie mit dieser Massnahme zufrieden sind. 13 Prozent glauben gar, dass 30 km/h immer noch zu schnell ist. Anderes ist die Situation bei denjenigen, die entlang einer Tempo-50-Strasse wohnen: Zwei Drittel halten diese Geschwindigkeit für angemessen, während ein Drittel eine Reduzierung wünscht.
Diese Ergebnisse bestätigen einen Trend, der in der Schweiz und im Ausland beobachtet wurde: Die Akzeptanz von Tempo 30 steigt nach der Einführung. Wer davon profitiert, will Tempo 30 beibehalten. Wer es nicht kennt, ist mit dem Status quo zufriedener.
Tempo 30 als Standard für Städte ist beliebt
Viele europäische Städte – wie Paris, Amsterdam, Brüssel, München und Wien – haben Tempo 30 bereits auf einen grossen Teil des Stadtgebietes eingeführt. In der Schweiz ist eine knappe Mehrheit der Bevölkerung (50 Prozent) dafür, diesen Beispielen zu folgen, und glaubt, dass dies auch für Schweizer Städte sinnvoll wäre.