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Flyer DE Gruene Seite 1

Das Projekt zur Kantonalisierung und zur Entwicklung des Flughafens Sitten wirft grundlegende Fragen auf – hinsichtlich Governance, öffentlicher Prioritäten sowie bezüglich klimatischer und sozialer Gerechtigkeit. Während der Grosse Rat das «Gesetz über die Verwaltungs- und Betriebsgesellschaft des Flughafens Sion» verabschiedet hat, unterstützt ein breites Komitee aus politischen Parteien (Grüne Wallis, POP Wallis, SP Sion, SP Oberwallis, Junge Grüne Wallis) sowie von Verbänden (WWF, Pro Natura, VCS, Grands-parents pour le climat) das von den Grünen Wallis lancierte Referendum. 

Die Bevölkerung muss ihre Meinung äussern können

Es geht um erhebliche Ausgaben, die mit Steuergeldern bezahlt werden. Es ist daher legitim, der Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, sich zur Finanzierung und Entwicklung des Flughafens Sitten zu äussern. 

Alle zahlen, nur sehr wenige profitieren

Es stellt sich die Frage, ob es angesichts der angespannten Lage der Kantonsfinanzen gerechtfertigt ist, erhebliche öffentliche Mittel in eine defizitäre Infrastruktur zu investieren, deren direkter Nutzen für die Mehrheit der Bevölkerung sehr begrenzt ist. Der Flughafen weist derzeit ein jährliches Defizit von rund 3 Millionen Franken auf. Das neue Gesetz sieht eine jährliche Entschädigung von 3 bis 6 Millionen Franken zur Deckung der Betriebskosten vor, wovon 70 % vom Kanton, 20 % von der Stadt Sitten und 10 % von den übrigen Walliser Gemeinden getragen werden sollen.

Erhebliche finanzielle Risiken und mangelnde Transparenz

Das aktuelle Projekt weist zahlreiche Unsicherheiten auf: kein glaubwürdiges Geschäftsmodell, bereits heute ein strukturelles Defizit (nahezu 3 Millionen im Jahr 2023), starke Abhängigkeit von öffentlichen Subventionen (Kanton, Gemeinden, Bund), Risiko einer Reduktion der Bundesbeiträge um mehrere Millionen im Rahmen des Sparprogramms. Zudem besteht für die Bevölkerung ein Verlust der Kontrolle über die eingesetzten öffentlichen Mittel (es soll eine Aktiengesellschaft gegründet werden), mit dem realen Risiko, dass die Bevölkerung dauerhaft eine defizitäre Infrastruktur finanzieren muss.

Ein öffentlicher Flughafen im Dienst der Ultrareichen

Der Flughafen Sitten verzeichnete 2024 im Durchschnitt weniger als einen Passagier pro Flug. Die Zahlen zeigen, dass der Flughafen weitgehend von Privatjets genutzt wird, anstatt ein kollektives Verkehrsmittel für die Bevölkerung zu sein. Während die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger Anstrengungen unternimmt, ihren CO₂-Fussabdruck zu reduzieren, und täglich mit steigenden Lebenshaltungskosten konfrontiert ist, profitiert eine Elite von öffentlich finanzierten Infrastrukturen für Reisen mit Privatjets.

Ein wenig relevantes Projekt für den Walliser Tourismus

Das Wallis ist bereits gut angebunden – durch Bahn, Strasse und internationale Grossflughäfen (Genf, Zürich, Mailand). Die Vorstellung, dass der Flughafen Sitten zu einem Motor des kantonalen Tourismus wird, ist wenig realistisch, zumal die Attraktivität des Wallis auf seiner natürlichen Umwelt beruht, die mit einer Zunahme des Flugverkehrs schwer vereinbar ist.

Zudem nutzt ein nicht unerheblicher Teil der Ultrareichen die günstigeren Tarife und die verfügbaren Kapazitäten in Genf, Basel oder Zürich, um dort zu landen und danach ihre Jets in Sitten parkieren zu lassen. Dadurch entstehen zusätzliche Leerflüge mit hohem Kerosinverbrauch. Der Flughafen Sitten dient somit teilweise als Abstellplatz für Flugzeuge, die ihre Passagiere ausserhalb des Kantons – mitunter sogar ausserhalb der Schweiz – absetzen. Stattdessen sollte man sich auf die Finanzierung der touristischen Stärken des Kantons konzentrieren und das Angebot an einem erschwinglichen und nachhaltigen öffentlichen Verkehr ausbauen.

Mehr Flüge = mehr Lärm und Umweltbelastung
Das Ziel, die Zahl der Passagiere zu erhöhen, würde zu einer deutlichen Zunahme des Flugverkehrs führen, mit direkten Folgen für die Anwohnerinnen und Anwohner: mehr Lärm, Verschlechterung der Luftqualität und damit verbundene gesundheitliche Auswirkungen. Besonders betroffen wäre das Zentralwallis, das bereits heute den negativen Folgen des Flugverkehrs ausgesetzt ist.

Widerspruch zu den Klimazielen
Der Ausbau des Flughafens steht im Widerspruch zu den Klimazielen des Wallis, das sich verpflichtet hat, seine Treibhausgasemissionen bis 2040 deutlich zu reduzieren.

Andere Lösungen sind möglich

  1. Durch die Konzentration auf Rettungsflüge und innovative Unternehmen wie H55, das sich auf die Elektrofliegerei spezialisiert hat, könnte der Flughafen eine Rolle als Innovations-, Ausbildungs-, Wartungs- und Technologiezentrum der Luftfahrt einnehmen, anstatt als kommerzielles Drehkreuz für Privatjets. Ein solches Modell wäre nachhaltiger, weniger lärmintensiv, wirtschaftlich sinnvoller und würde qualifizierte Arbeitsplätze schaffen. 
  2. Anstatt eine kostspielige Luftverkehrsinfrastruktur auszubauen, sollte man nachhaltige Alternativen fördern, insbesondere den Ausbau des Schienenverkehrs mit guten nationalen und internationalen Bahnverbindungen. Das Schweizer Bahnnetz bietet bereits leistungsfähige Alternativen, die weiter gestärkt werden könnten, um eine umweltverträgliche Mobilität zu stärken und einen nachhaltigen Tourismus zu fördern. 

Unterschriftenbogen zum Herunterladen: Flughafen Referendum Unterschriftenbogen DE