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682 Bäume fällen für das Tram Affoltern - nein!
VCS Zürich Markus Knauss

Am 14. Juni stimmt die Stadtzürcher Stimmbevölkerung über einen Beitrag an das Tram Affoltern ab. Zwar wird über einen Kredit für ein Tram abgestimmt, mit der Verbreiterung des Strassenraums und dem Ausbau der Kreuzungen für den Autoverkehr handelt es sich faktisch aber um ein Ausbauprojekt für den Autoverkehr.

Mehr Kapazität für den Autoverkehr - zulasten der Quartierbevölkerung

Auf der gesamten Länge der Wehntalerstrasse wird der Strassenraum um mindestens 6 m verbreitert. Der Zehntenhausplatz ist dabei zentral für die Verkehrsabwicklung für den Autoverkehr. Die Kreuzung wird massiv ausgebaut, damit der erwartete Mehrverkehr von Autos auch tatsächlich und staufrei in die Stadt Zürich hineinfahren kann.

Grösste Baumfällaktion seit Jahrzehnten - 682 Bäume werden gefällt

Natürlich beansprucht eine solche Strassenverbreiterung massiv mehr Platz. Damit werden nicht nur 682 Bäume (564 auf öffentlichem Grund, 118 auf Privatgrund) gefällt. Es droht die wohl grösste Baumfällaktion der letzten Jahrzehnte in der Stadt Zürich. 

Rücksichtlos werden Vorgärten und Vorplätze dem Projekt geopfert

Die Verbreiterung des Strassenraums tangiert aber auch privates Grundeigentum, vielfach von Genossenschaften. Rücksichtslos will man Vorplätze, Vorgärten, Parkplätze, Raum für’s Gewerbe oder Cafés zubetonieren. Von den Trottoirs aus kann man in Zukunft direkt in die Parterrewohnungen hineinschauen, weil die Strasse direkt an die Häuser heranrückt.

Übermässiger Lärm für 4000 Personen

Zwar gibt es die Verpflichtung, die Bevölkerung vor übermässigem Lärm zu schützen. Diesen Grundsatz will der Stadtrat mit einem Rekurs gegen das kantonale Strassengesetz erkämpfen. Aber genau an der Wehntalerstrasse, an der 4000 Personen von übermässigem Lärm betroffen sind, verzichtet der Stadtrat bei seinem eigenen Projekt auf die einfachste Massnahme, nämlich die Signalisation von Tempo 30. Obwohl das Projekt schon so ausgestaltet ist, dass Tempo 30 für die Autos problemlos eingeführt werden könnte.

Wichtige Veloroute ungenügend ausgestaltet

Entlang der Wehntalerstrasse führt eine wichtige Veloroute. Von der Bedeutung und von der Verkehrsmenge her, wäre eine baulich abgetrennte Veloroute mit einer Breite von 1.80 m bis 2.20 m nötig. Die Velostreifen sind aber lediglich 1.50 m breit, was bei Tempo 50 und Autoverkehrsmengen von bis zu 25'000 Autos täglich zu einer Gefährdung der Velofahrenden führt.

Enteignungen für knapp 100 Millionen Franken

Weil das Projekt mehr Land beansprucht, müssen viele Grundeigentümer enteignet werden. Damit ist das Projekt massiv teurer als vergleichbare Projekte. Für das Projekt Affoltern müssen 116 Mio Franken pro Kilometer aufwendet werden. Die Limmattalbahn kostet 45 Mio/km, das Tram Ostermundigen, das 2026 realisiert wird, wird mit 58 Mio/km veranschlagt.

Affoltern ist mit dem öffentlichen Verkehr gut erschlossen - ein Nein am 14. Juni bringt ein besseres Projekt

Die Bausinie 32 ist nur eine von vielen öV-Verbindungen in Affoltern. Die S-Bahn, die Quartierbuslinien 61/62 und die Buslinie 80 zum Bahnhof Oerlikon stellen weitere wichtige öV-Verbindungen dar. Alle diese Linien werden ausgebaut. Ganz bewusst aber die Buslinie 32 nicht. Heute verkehrt die Buslinie 32 im 6-Minutentakt. Eine weitere Taktverdichtung wäre möglich. Damit könnte die Zeit überbrückt werden, bis ein neues Tramprojekt geplant wird, das städtebaulich überzeugend ist, viele Bäume und viele Vorgärten schont und einen Gewinn für das Quartier darstellt.

Affoltern hat ein besseres Projekt verdient - deshalb Nein zum Tram Affoltern am 14. Juni 2026.