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FLUX Bulle 2024
Philippe Gasser

Der FLUX-Preis 2024 geht an die Stadt Bulle (FR). Die gestalterisch schöne Umsetzung und der rasche Neubau des Bahnhofs Bulle, der sich nun an einem anderen Ort befindet, überzeugte die Jury genauso wie die erweiterten Bahnverbindungen. Die Stadt Bulle war lange eher bekannt dafür, von der Nähe zur Autobahn A12 zu profitieren. In diesem Sinne würdigt der diesjährige FLUX-Preis auch den Willen und den Mut der Verantwortlichen, in Bulle vermehrt auf die Schiene und den öffentlichen Verkehr zu setzen.

In nur zwei Jahren wurde in Bulle ein komplett neuer Bahnhof gebaut, der sich wenige hundert Meter vom alten Bahnhof entfernt befindet. Geprägt war die Entscheidung für einen neuen Bahnhof auch vom Umstand, dass Bulle in den letzten Jahrzehnten sehr stark gewachsen war. Ein neuer Bahnhof ergab auch Sinn, weil dieser im Gegensatz zum alten Bahnhof eine Anpassung der Schienen-Spurbreite möglich machte. Dies verbessert die Anbindung Bulles an das nationale Eisenbahnnetz. Zudem war der bestehende Busbahnhof in die Jahre gekommen. Die Entscheidung für einen neuen Bahnhof bietet nun für die Stadtplanung – insbesondere für das Stadtzentrum – viele zusätzliche Möglichkeiten. 

Zahlreiche Verbesserungen

«Der neue Bahnhof strahlt eine starke Identität aus. Er ist grosszügig ausgestaltet, besticht ästhetisch und vernetzt alle Verkehrsträger optimal», sagt Stéphanie Penher, VCS-Geschäft führerin und FLUX-Jurymitglied. «Nennenswert sind zudem die stark verkehrsberuhigten Tempo-30- und Begegnungszonen rund um den Bahnhof und in das Stadtzentrum.» Neu umfasst der Bahnhof sieben Gleise und sechs Bahnsteige. Beim Bau wurde darauf geachtet, dass alle Einrichtungen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich sind. Unter anderem ist der barrierefreie Zugang zu den Bahnsteigen durch Lifte und Rampen gewährleistet.

Die Zugverbindungen wurden zudem erweitert: Mittlerweile fährt jede halbe Stunde eine direkte Verbindung von Broc nach Romont, Freiburg und Bern.

FLUX Bulle 2024
Philippe Gasser
Blick in den Bahnhof Bulle mit den charakteristischen Holzlamellen-Überdachungen aus Lärchenholz.

Der neue Bahnhofskomplex besteht aus einem vielseitigen Bahnhofsgebäude, einem grünen Hügel auf dem Bahnhofsplatz und einer neuen Wohnüberbauung. Es wurden zudem neue Velostrecken und Abstellplätze sowie je eine Velostation beim und in der Nähe des Bahnhofs gebaut. Weitere Strecken sind geplant. Auch für den Busverkehr stehen neue Bauten an: Neben dem bereits gebauten Busbahnhof für die Stadtbusse soll ein Busbahnhof für regionale Linien entstehen.

Mitverantwortlich für den Erfolg des Projektes war nicht zuletzt der geschlossene Einsatz aller beteiligten Akteure wie TPF, Gemeinde, Kanton und Private. Kritik von der Jury gab es lediglich bei der Realisierung des Parkhauses beim Bahnhof. Es wäre wohl sinnvoller gewesen, ein Parkhaus unter den Gebäuden statt unter dem Bahnhofsplatz zu bauen. So hätte der Platz grossflächig begrünt und dank grösserer Bäume hätte mehr Schatten erzeugt werden können. Die realisierten begrünten Inseln um die Lüftungsschächte des Parkhauses auf dem Bahnhofsplatz sind in diesem Sinne sicherlich nicht die optimale Lösung.

FLUX Altdorf 2024
Philippe Gasse
Der neu gestaltete Bahnhof Altdorf mit dem grossen und schlichten Bahnhofsgebäude, welches mit dem Architekturpreis «SWISS ARC Award» ausgezeichnet wurde. Vor dem Gebäude befindet sich der Busbahnhof für die Regionalbusse.

Altdorf: pragmatische Neugestaltung

Lobend hervorgehoben hat die Jury den ebenfalls nominierten Verkehrsknoten Altdorf (UR). Er überzeugt insbesondere durch seine simple und sinnvolle Ausgestaltung. Nach langer Planungszeit fällt der Bahnhof Altdorf nun durch ein neues, sechsstöckiges Bahnhofsgebäude auf. In diesem befindet sich sowohl ein breites gastronomisches Angebot als auch Platz für Unternehmen wie die Urner Kantonalbank, welche das Gebäude mitfinanzierte.

Mittlerweile gibt es mangels Platzes auf beiden Seiten der Bahngleise Bushaltestellen. Die Anzahl der Busverbindungen wurde verdoppelt. Die Bahnsteige wurden um mehr als das Doppelte verlängert. Das ermöglicht, dass zusätzlich zu den Regionalzügen und S-Bahnen auch Intercity-Züge den Bahnhof Altdorf bedienen. Altdorf, welches sich auf der Alpentransitachse durch den Gotthard befindet, ist durch diese Anpassungen zum entscheidenden Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs im Kanton Uri geworden. Kritik bringt die Jury bei der Gestaltung der unmittelbaren Bahnhofsregion an: Diese bleibt – trotz verschiedener Vorkehrungen für Velos und den Fussverkehr – relativ grau und autozentriert.