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Europa mit dem Zug VCS Magazin
Fabian Lütolf / setrunners.ch

Was, wenn Zürich für Nachtreisen in Europa zu einem Knotenpunkt würde? Jedenfalls strebt die Stadt danach, deshalb haben die Behörden zusammen mit Zürich Tourismus eine entsprechende Studie in Auftrag gegeben. Im Januar wurden die Ergebnisse publiziert: «Nachtsprung Zürich  2040» zeigt das Ausbaupotenzial von Nachtzug- und Nachtbusverbindungen in europäische Städte auf.

Fast zwei Drittel der Bevölkerung sagen, sie würden mit dem Nachtzug verreisen.

Die Vision enthüllt eine schon heute fassbare Realität, nämlich das unübersehbare Wiederaufkommen der Nachtzüge. Lange führten sie im Gegensatz zu den Billigflügen ein Schattendasein, erhalten nun angesichts der Klimakrise und einer steigenden Nachfrage nach langsameren, stimmigeren Reiseformen aber wieder Auftrieb. Das Potenzial in der Schweiz ist jedenfalls beträchtlich: Fast zwei Drittel der Bevölkerung sagen, sie würden mit dem Nachtzug verreisen.

Bei den europäischen Distanzen stossen Nachtzüge und -busse zwischen zehn und zwanzigmal weniger CO2 aus, als bei einer Flugreise anfallen. Nachtreisen sind eine einfache Antwort darauf: eine Nacht unterwegs statt ein Kurzstreckenflug.

Die Zürcher Studie setzt auf kombinierten Verkehr. Die Bahn verbindet effizient, mit hoher Kapazität und stets höherem Komfort die europäischen Metropolen. Der Bus bietet Flexibilität und rasche Einsatzbereitschaft, sodass sich auch weniger dicht besiedelte Regionen bedienen lassen, wo eine Bahnlinie nicht rentabel wäre. Wesentlich ist hier, dass sich die Verkehrsmittel ergänzen und so ein dichtes Netz bilden, das nicht nur Ballungsräume, sondern auch die Gebiete dazwischen miteinander verbindet.

Die geografische Lage Zürichs am Schnittpunkt wichtiger europäischer Achsen macht die Stadt zum idealen Ausgangspunkt.

Zürich als Hub?

Die geografische Lage Zürichs am Schnittpunkt wichtiger europäischer Achsen 
macht die Stadt zum idealen Ausgangspunkt. Um Nutzen aus diesem Vorteil 
zu ziehen, schlägt die Studie eine Reihe Massnahmen vor, von der Schaffung neuer Verbindungen bis hin zu Pilotprojekten mit anderen Städten. Das Ziel liegt auf der Hand: Aus Zürich einen Nachtreise-Hub zu machen, der sowohl Schweizer Reisende als auch europäische Tourist*innen anzuziehen vermag.

Zu überdenken ist nicht nur die Infrastruktur, sondern die Reiseerfahrung als Ganzes. Einzelkabinen, Gepäckservice, Verpflegung bei der Ankunft, schlankes Umsteigen auf den Nahverkehr: das Angebot entwickelt sich und setzt neue Standards.

Das Profil der grasgrünen Flixbusse, die seit Jahren kreuz und quer durch 
Europa kurven, ist hinlänglich bekannt, Dass Busse auch für Luxus stehen können, beweist seit letztem Herbst das Zürcher Start-up Twiliner. Es setzt auf Verbindungen Richtung Barcelona, Amsterdam oder Brüssel mit modernen Doppeldeckern, ausgerüstet mit 21 Sitzen, die sich in Liegebetten verwandeln lassen. «Nachhaltiger Komfort ohne Kompromisse», verspricht das Unternehmen, das auf rasches Wachstum setzt, so dass die zurzeit bei 150  Franken pro Strecke liegenden Preise schon bald sinken sollen.

Die Buchungsplattformen integrieren nach und nach auch Nachtverbindungen und bieten Vergleiche zum Fliegen an

Eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Nachtverbindungen mit Bus und Zug spielt die Digitalisierung. Die Buchungsplattformen integrieren nach und nach auch Nachtverbindungen und bieten Vergleiche zum Fliegen an, etwa hinsichtlich Reisedauer, Preis und Auswirkungen auf das Klima. Dies ist entscheidend, damit diese Alternativen sichtbar werden und konkurrenzfähig sind.

Die Gelegenheit beim Schopf packen

Für die Schweiz stehen mehr als bloss touristische Fragen auf dem Spiel. Es geht nicht zuletzt darum, die eigene Position in Sachen nachhaltiger Mobilität 
in Europa zu stärken. Setzt die Schweiz auf Nachtzüge und -busse, trägt sie nicht nur aktiv zur Bewältigung der Klimakrise bei, sondern macht auch ihre geografische Lage im Zentrum Europas zum Trumpf. Nachtreisen werden nicht alle Flüge ersetzen können. Aber ohne Nachtreisen ist eine mit den Klimazielen vereinbare europäische Mobilität kaum vorstellbar.

Web Teaser Magazin d 2 26
VCS-Magazin 2/2026: Liebe Grüsse aus Europa

Die Schweiz liegt mitten in Europa. Ideale Voraussetzung, um viele interessante Orte mit dem Zug zu erreichen. In dieser Magazinausgabe erfahren Sie, welches Potenzial Zürich als Hub für Nachtzugreisen hat und vor welchen Fragen und Herausforderungen der internationale Bahnverkehr der Schweiz steht. Ausserdem stellen wir spannende Infrastrukturprojekte, VCS-Partnerschaften und Angebote von ausgewählten Reise-Aficionados vor.

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