Sattelfest auf dem Elektrovelo
«Das ist eine gute Sache», sagt Jürg Z. nach seinem Besuch eines VCS E-Bike-Fahrkurses. Für interessierte E-Bike-Fahrer*innen stehen zahlreiche Daten und Orte zur Auswahl; die Teilnahme ist kostenlos.
Jürg Z. aus Wabern bei Bern fährt seit 30 Jahren Velos mit elektrischer Unterstützung. Einst für seinen Arbeitsweg von Hinterkappelen nach Bern gekauft, braucht er das E-Bike heute, um zwischen seinen beiden Wohnorten zu pendeln und um einzukaufen. Trotzdem hat er 2025 an einem VCS E-Bike-Fahrkurs teilgenommen. Er wollte mehr über die genauen Vorschriften für Elektrovelos erfahren.
Tatsächlich gelten seit Juli 2025 neue Regeln. «Es hat mich genervt, wenn mich Autos kurz vor dem oder im Kreisel überholten. Ich habe gelernt, wie man vor der Einfahrt in den Kreisel einspurt und den Autos seine Absichten deutlich zu verstehen gibt. So gibt es niemanden mehr, der mir im letzten Moment den Weg abschneiden kann. Der Kurs hat mir die Sicherheit gegeben, dass ich im Recht bin», erzählt Jürg Z.
Unterwegs im «Schonraum»
Verantwortlich für die VCS E-Bike-Fahrkurse, die es seit nunmehr drei Jahren gibt, sind die BFU-zertifizierten Kursleiter*innen Jürg Wittwer und Christine Steinmann. Die beiden sind sattelfest, wenn es um Verkehrsregeln geht. Heuer finden die Kurse seit Ende April in Basel, Bern, Burgdorf, Solothurn und Thun statt. Für die Termine im Sommer und Herbst sind noch Plätze verfügbar. Treffpunkt sind die m-way-Filialen und in Burgdorf der Rennshop Wüthrich. Parkplätze dienen als «Schonraum». Dort üben die Teilnehmer*innen das Anfahren, Bremsen und Linksabbiegen. Eine Slalomfahrt stellt den Gleichgewichtssinn auf die Probe.
Im realen Verkehr überwindet die E-Velo Kolonne Steigungen, folgt schmalen Feldwegen, ruhigen Quartierstrassen und schliesslich stark befahrenen Strassen. Die royale Disziplin ist der vielbefahrene oder in Solothurn sogar der mehrspurige Kreisel.
Eine Kursgruppe besteht aus maximal acht Personen und bietet genügend Raum für offene Fragen. Seraina S. aus Rüti (ZH) war vergangenen Sommer dabei und betont: «Ich habe sehr geschätzt, dass die Instruktorin bereit war, länger zu bleiben und mir Dinge zum Bremsen zu erklären.» Die E-Bike- Pendlerin hat sich nach einem Umstieg auf ein schnelles E-Bike für eine Kursanmeldung entschieden.
Seraina S. und Jürg Z. hatten beide bereits viel Erfahrung mit Stromvelos, trotzdem konnten sie vom Kurs profitieren. Seraina S. fühlt sich nun sicherer beim Bremsen: «Die Instruktorin hat uns geraten, wir sollen nur mit einem Finger bremsen und uns gut am Lenker festhalten. Ich hatte vorher immer mit vier Fin gern gebremst, und jetzt bremse ich noch mit zwei. Das finde ich praktischer.»
Ein risikofreieres Miteinander
Die Kurse richten sich an Jung und Alt und an Personen mit viel oder wenig E-Bike-Erfahrung. Jürg Z. ist der Meinung, dass eine Gruppe besonders profitiert: «Wenn jemand beginnt, E-Bike zu fahren, keine Erfahrung hat und schon etwas älter ist.» Gerade Personen, die vom Auto auf ein E-Bike umsteigen und sich das Fahrradfahren nicht gewöhnt sind, können das Elektrovelo unterschätzen. Aber auch für Menschen, die auf dem herkömmlichen Zweirad geübt sind, können die schnelle Beschleunigung und die längeren Bremswege eine unerwartete Herausforderung darstellen.
Die Verkehrssicherheit von Senior*innen wird immer mehr zu einer zentralen Herausforde rung. Das zeigen die neusten Zahlen des Bun desamts für Strassen ASTRA: Bereits in den Jahren 2014 bis 2024 ist die Zahl der schwe ren Unfälle in der Altersgruppe der über 65-Jährigen um 10 Prozent gestiegen. Beson ders sichtbar ist die Entwicklung beim Velo- verkehr: Seit 2015 hat sich die Zahl der E-Bike- Unfälle bei Menschen ab 65 Jahren fast verdreifacht. Fahrkurse ermutigen E-Bike- Fahrer*innen, Mut zu fassen und Sicherheit zu gewinnen.
Lernen Sie Ihr E-Bike in 3,5 Stunden besser kennen und erfahren Sie, wie Sie sich im Verkehr souverän verhalten. Praktische Übungen helfen Ihnen, das E-Bike zu beherrschen. Denn wenn Sie Ihr E-Bike gut kennen, können Sie brenzlige Situationen besser vermeiden.