Die Autobahnprojekte in der Region Bern
Alles, was Sie über die Autobahnprojekte in der Region Bern wissen müssen.
Die 7 Autobahn-Ausbauprojekte
In der Region Bern sind oder waren ganze 7 Autobahn-Ausbauprojekte in Planung.
Einige davon hat die Stimmbevölkerung deutlich abgelehnt (Autobahn-Abstimmung Oktober 2024). Hauptgründe für die Ablehnung waren gemäss einer repräsentativen Nachwahlbefragung die Sorge vor Mehrverkehr und dem Verlust von unersetzbarem Kulturland.
Auch die VCS Sektion Bern ist diesen Projekten gegenüber äusserst kritisch eingestellt und befürchtet negative Auswirkungen für Mensch und Umwelt.
Konzept Verkehr '45
Nach der Volksabstimmung zu den Autobahnen hat Bundesrat Rösti die ETH damit beauftragt, eine Auslegeordnung und Priorisierung aller sich in Planung befindenden Projekte vorzunehmen (Konzept Verkehr `45). Dabei wurden einige Projekte gestrichen oder depriorisiert – aber eines auch wieder aufs Tapet gebracht: Der Achstpurausbau im Grauholz wird als längerfristige Option beibehalten. Der VCS kritisiert dieses undemokratische Vorgehen scharf.
In der kommenden Vernehmlassung zu Verkehr `45 wird sich der VCS engagiert für Umweltschutz und eine Mobilität mit Zukunft einsetzen.
Hier die Übersicht aller Projekte:
Die masslosen Liste aller Projekte:
1. Ausbau Grauholz auf 8 Spuren
2. Ausbau Schönbühl-Kirchberg auf 6 Spuren
3. Halbanschluss Grauholz
4. Ausbau Anschluss Wankdorf
5. Bypass Bern-Ost
6. Kapazitätserweiterung Wankdorf-Weyermannshaus
7. Ausbau Muri-Rubigen auf 6 Spuren
Die A1 sollte im Grauholz von 6 auf 8 Spuren ausgebauten werden. Zwischen Bern und Schönbühl wäre der Verkehr dann auf der ersten achtspurigen Autobahn der Schweiz gerollen. Oder gestanden, denn eine brauchbare Lösung für Verkehrsprobleme bot der Spurausbau nicht. Im Gegenteil: Die Kapazitätserweiterung hätte mehr Verkehr angezogen, der sich unweigerlich auch durch die Ortschaften gewälzt hätte.
Für den Ausbau wäre der Bund bereit gewesen, Landwirtschaftsbetreibe zu enteignen und 13.4 Hekaren Land permanent zu verbauen, 3.7 Hektare davon beste Fruchtfolgeflächen. Zusätzliche 13 Hektaren Fruchtfolgeflächen wären während der mehrjährigen Bauzeit beansprucht worden, 3.5 Hektare Wald hätten gerodet werden müssen.
Aktueller Stand: Der Ausbau wird im Konzept Verkehr '45 für den Realisierungshorizont ab 2035 emfohlen.
Der VCS Bern lehnt dieses Projekt weiterhin ab – genau wie die 57% der Bernerinnen und Berner, die NEIN gestimmt haben zum masslosen Autobahnausbau und damit auch zu diesem Vorhaben.
Der Abschnitt zwischen Schönbühl und Kirchberg hätte von 4 auf 6 Spuren ausgebaut werden sollen. Hier wären auch grosse Flächen an wertvollem Landwirtschaftsland und Wald vernichtet worden: 3.9 Hektare Kulturland wären permanent beansprucht worden, 11.8 ha während der Bauphase. 1.6 Hektare Wald wären für immer verschwunden, weitere 2.7 ha temporär für die Baustellen beansprucht worden.
Aktueller Stand: Das Projekt ist und bleibt beerdigt. Der Bund prüft nun auf diesem Abschnitt eine Pannenstreifen-Umnutzung (PUN). Das ist zwar auch eine Kapazitätserweiterung, aber wenigstens wird kein Kulturland und Wald zerstört.
Südlich der Raststätte Grauholz war ein sogenannter Halbanschluss geplant. Dieser hätte zwar keine nennenswerten verkehrlichen Nutzen gebracht – hätte aber trotzdem grosse Mengen an wertvollem Kulturland gekostet.
Aktueller Stand: Ohne den Achtspurausbau der A1 ist der Halbanschluss kaum realisierbar.
Wieso der VCS Bern den Halbanschluss Grauholz dezidiert ablehnt, erfahren Sie hier:
Der Bund hat den Ausbau des Anschlusses Wankdorf genehmigt – trotz des klaren Volks-Neins zu mehr Autobahnen. Der Ausbau ist nicht nur umweltschädlich und überdimensioniert. Er macht auch verkehrsplanerisch keinen Sinn mehr, seit die angrenzenden Projekte (Achtspurausbau Grauholz und Bypas Bern-Ost) depriorisiert oder auf unbestimmte Zeit verschoben wurden.
Das Bundesamt für Strassen hält in seiner Kosten-Nutzen-Analyse zum Ausbau fest: Der Ausbau des Anschlusses Wankdorf führt zu Mehrverkehr und sinkenden Einnahmen bei öV-Tickets, weil Menschen vom öV auf das Auto umsteigen werden. Der behauptete Unfallschwerpunkte wird auch nicht behoben. Im Gegenteil: Die Anzahl der Unfälle wird wegen des Mehrverkehrs in absoluten Zahlen sogar noch zunehmen. Mehr Verkehr bedeutet auch mehr Verkehr in den Quartieren – denn jede zusätzliche Fahrt beginnt und endet irgendwo in einem Wohnquartier.
Mit der "Eventstrasse" soll zudem eine direkte Zufahrt zum Event-Gelände gebaut werden. Dadurch wird die Autobahn-Schneise noch breiter und die Allmende als wichtiges Naherholungsgebiet noch mehr geschmälert.
Aktueller Stand: Der VCS Bern führt Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht gegen den Ausbau.
Die Autobahn im Osten Berns soll unter den Boden verlegt werden. Von allen Ausbau-Projekten ist es das einzige, das wenigstens einen Nutzen für die Quartierbevölkerung bringen würde:
Im Gegensatz zu allen anderen Ausbauprojekten wird es weniger und nicht mehr Strassenlärm und Abgase in die Quartiere bringen. Das allerdings zum happigen Preis von 2.5 - 3 Milliarden Franken. Trotz dieser Vorteile dürfen die negativen Auswirkungen auf die Umwelt nicht vergessen werden: Der Bau des Tunnels und der Betrieb der Autobahn mit zwei zusätzlichen Fahrspuren wird eine bedeutende Menge Treibhausgase ausstossen. Im Jahr 2045 soll der Tunnel eröffnet werden – also dann, wenn wir Netto Null CO2-Emissionen bereits erreicht und die Verkehrswende geschafft haben müssen.
Aktueller Stand: Das Projekt wird im Konzept Verkehr '45 neuerdings ohne Realisierungshorizont unter "Weitere" geführt. Die Realisierung ist somit höchste ungewiss.
Wieso der VCS Bern weiterhin eine Stadtreparatur fordert, erfahren Sie hier:
Wenn die anderen Ausbauprojekte umgesetzt sind, wird der erzeugte Mehrverkehr auch Richtung Westen stauen. Als Folge davon müsste der Abschnitt Wankdorf-Weyermannshaus von heute 6 auf 8 Spuren ausgebaut werden.
Dabei ist das Felsenau-Viadukt die grosse Knacknuss: Es ist unklar, ob und wie die Brücke um zwei Fahrspuren erweitert werden könnte. Der Bau eines zweites Viadukts wurde bereits vorgeschlagen, dieser erscheint aber aus Gründen des Ortsbildschutzes kaum realistisch. Eine frühe, unsichere Kostenschätzung geht von 246 Mio Franken aus, es ist jedoch mit deutlich höheren Kosten zu rechnen.
Aktueller Stand: Das Projekt wird im Konzept Verkehr '45 im Realisierungshorizont 2055 geführt.
Weiter ging die Autobahn-Euphorie des Bundes Richtung Oberland: Auch der Abschnitt Muri-Rubigen sollte von 4 auf 6 Spuren ausgebaut werden. Das Projekt war ursprünglich ein einem sehr späten Realisierungshorizont vorgesehen, wurde nun aber im Konzept Verkehr '45 der ETH gestrichen.
Klar ist trotzdem: Auch dieses Projekt hätte massiv Kulturland und Wald für immer zubetonieren und Mehrverkehr erzeugen.
Aktueller Stand: Das Projekt wurde im Konzept Verkehr '45 gestrichen.