Gewerbe in der Altstadt:
Wer seine Kunden kennt, ist im Vorteil
Die historische Schaffhauser Altstadt zählt zu den grössten der Schweiz. Die seit 1972 autofreie Fussgängerzone ist ein Magnet für Konsumentinnen und Touristen. Davon profitiert auch das Gewerbe, der Detailhandel und die Gastronomie in der Alt- und Unterstadt.
Im neusten Kapitel dieser Erfolgsgeschichte werden die neuen Standorte von Hochschule (PH) und Bibliothek zu einer Begegnungszone am Rheinufer: Auch hier verschiebt sich der Fokus von «Durchfahren» zu «Aufhalten». Und wie bei jedem vorangegangenen Kapitel werden – längst widerlegte – Behauptungen zu drohenden Umsatzeinbussen aufgestellt.
Heute liegen fundierte Untersuchungen vor, die aufzeigen, wie das Gewerbe von Aufwertungsprojekten profitiert. Die Bedeutung von Parkplätzen wird hingegen deutlich überschätzt:
- Eine Untersuchung in sechs Schweizer Städten zeigt, dass die meisten Geschäftsstrassen-Besucher zu Fuss (46%) anreisen - mit dem Auto hingegen nur halb so viele (23%). Das Einkaufsvolumen ist zudem nicht vom Verkehrsmittel abhängig: Wer mit dem Auto anreist, kauft nicht mehr ein. [1]
- Eine Untersuchung in fünf deutschen Städten zeigt, dass zu Fuss gehende den meisten Umsatz bringen (31%). Danach kommen ÖV-Nutzende (25%) und Velofahrende (24%). Autofahrende bilden das Schlusslicht (20%). [2]
- In Zürich kommt eine Untersuchung im Auftrag der City-Vereinigung zum Schluss, dass ein Parkplatzabbau am Münsterhof für fast alle Geschäfte zu einer positiven Umsatzentwicklung geführt hat. Und «eine allgemeine Korrelation zwischen dem Abbau von Parkplätzen und einem Rückgang der Umsätze ist nicht ersichtlich». [3]
Direktbetroffene Gewerbetreibende in Schaffhausen stehen aktuellen Projekten positiv gegenüber:
- Autofreier Walter-Bringolf-Platz: Positive Reaktion von Jenny’s Secondlove. [4]
- Temporeduktion Rheinstrasse: Positive Reaktion des Restaurants Beckenburg [5]
Der VCS als Gesamtverkehrsverband anerkennt, dass Parkplätze um die Altstadt vorhanden sein müssen. Das Parkhaus-Monitoring zeigt jedoch auf, dass bereits zu 99.9% der Zeit freie Parkplätze vorhanden sind und kein Mangel besteht. [6]
«Wenn der Geschäftsumsatz nur von Parkplätzen und Tempo 50 abhängen würde, müsste an der Bachstrasse höhere Mieten bezahlt werden als am Fronwagplatz. Das ist aber nicht der Fall.»
– Sebastian Schmid, Vorstand VCS Schaffhausen
Quellennachweise und weiterführende Informationen:
[1] https://fussverkehr.ch/projects/mobilite-et-commerce/