Porta Gottardo: Zuerst die Hausaufgaben erledigen
Mit der Porta Gottardo wird bereits das nächste touristische Grossprojekt in der Gotthardregion vorangetrieben. Die Verbände erwarten, dass Kanton, Gemeinden und Projektverantwortliche zuerst ihre Hausaufgaben erledigen und die vereinbarten Massnahmen beim Ausbau des Skigebiets Andermatt–Sedrun realisieren.
Die Kantone Tessin, Uri und Graubünden unterstützen eine Vorstudie zur Machbarkeit der Porta Gottardo. Das Projekt will Airolo, Andermatt und Realp mit neuen Seilbahn- und Infrastrukturanlagen stärker verbinden und stellt eine nachhaltigere, ganzjährige Erschliessung der bereits touristisch geprägten Region in Aussicht. Bevor die öffentliche Hand Abklärungen zum Ausbau der touristischen Infrastruktur im Gotthardgebiet unterstützt, müssen die geltende Abmachungen und gesetzliche Vorgaben zum letzten Grossprojekt umgesetzt und eingehalten werden.
Mit einer Vereinbarung gelang 2013 ein Kompromiss: Sie ermöglichte den Ausbau der Skiinfrastrukturen am Gemsstock und zwischen Andermatt und Sedrun. Im Gegenzug definierten alle Beteiligten Massnahmen zugunsten von Natur und Landschaft. Diese Massnahmen wurden rechtlich verbindlich angeordnet. Doch mehr als zwölf Jahre später sind diese Ausgleichsmassnahmen noch immer nicht realisiert.
Vereinbarte Massnahmen endlich umsetzen
Zu den zentralen, noch offenen Punkten der Vereinbarung gehören eine aktuelle Bilanz der baulichen Eingriffe und der kompensatorischen Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen sowie deren Erfolgskontrolle, der Rückbau alter Anlagen oder der verbindliche Schutz sensibler Landschaften. Offene Fragen betreffen die Schonung der Wildlebensräume, die Lenkung der Besuchenden, den Verkehr und die Parkierung. Besonders deutlich zeigt sich dies am Winterhorn. Verfügt wurden der Rückbau der alten Anlagen und die verbindliche Sicherung des Gebiets als Landschaftsschutzgebiet. Trotz längst abgelaufener Frist ist beides noch nicht umgesetzt. Zwar kommt Bewegung in die Verfahren, gleichzeitig stehen weiterhin Umnutzungen und neue Nutzungsideen im Raum. Den Umweltverbänden sind die konkreten Pläne der Porta Gottardo nicht bekannt. Möglicherweise soll das Winterhorn von Süden erschlossen werden, was den Abmachungen von 2013 fundamental widersprechen würde.
Aus Sicht der Verbände Mountain Wilderness, Pro Natura, SAC, Stiftung Landschafsschutz, VCS und WWF müssen die offenen Massnahmen zuerst umgesetzt werden, bevor neue Projekte mit zum Teil öffentlichen Geldern in Angriff genommen werden, die bereits geschonte Gebiete erneut unter Druck setzen. Das betrifft insbesondere das erwähnte Winterhorn und den St. Annafirn, die bei möglichen Varianten der Porta Gottardo direkt betroffen sein könnten. Der Verzicht auf Erschliessungen im Gebiet St. Anna und die Beruhigung des Winterhorns waren zentrale Elemente des damaligen Kompromisses. Solche Entscheide dürfen nicht durch die Hintertür infrage gestellt werden.
Porta Gottardo unterstreicht die Dringlichkeit
Bevor das nächste touristische Grossprojekt im Gotthardraum vorangetrieben wird, müssen Kanton, Gemeinden und Projektverantwortliche bestehende Vereinbarungen verlässlich umsetzen. Natur, Landschaft, Mobilität und naturnaher Bergsport sind von Beginn an ernst zu nehmen. Nur so ist ein glaubwürdiger Dialog über neue Projekte sinnvoll.