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Mehr Platz, weniger Stress
David Yela/setrunners.ch

1,5 Meter Überholabstand für mehr Sicherheit

Mehr Platz, weniger Stress

Autos fahren oft zu nahe an Velos vorbei. Das macht Velofahren gefährlich und verunsichert Velofahrer*innen.  Der VCS fordert mindestens 1,5 Meter Abstand. Mehr Abstand bringt mehr Sicherheit und weniger Stress. Unsere Studie zeigt, wie nahe Autos in Schweizer Städten überholen. Wir zeigen auch, was sich ändern muss und warum es eine gesetzliche Grundlage braucht.

Schweizweite Studie

Der VCS hat in Zusammenarbeit mit der Ostschweizer Fachhochschule OST den Überholabstand in sieben Schweizer Städten untersucht. Die Messungen fanden auf Velohauptrouten statt.

  • Untersuchte Städte: 7
  • Gefahrene Strecke: rund 1500 Kilometer
  • Gemessene Überholmanöver: mehr als 5000
  • Mittlerer Überholabstand: 120 cm
  • Unter 1,5 Meter: 79 Prozent
  • Unter 1 Meter: 34 Prozent

Mehrheit der Autofahrer*innen überholt zu nahe

Überholmanöver unter 1,5 Meter innerorts werden von der Fachliteratur als gefährlich eingestuft. Eine klare gesetzliche Regelung dazu fehlt bisher in der Schweiz. 

Wir wollten wissen: Wie viel Abstand halten Autofahrer*innen beim Überholen von Velofahrer*innen? Der VCS hat dies in Bern, Zürich, Genf, Köniz, Burgdorf, Sion und Olten untersucht.

Ein Ultraschallsensor am Velo hat den Abstand zu den überholenden Autos gemessen. Auf rund 1500 Kilometern wurden mehr als 5000 Überholmanöver erfasst. Der mittlere Abstand betrug 120 Zentimeter. Das ist deutlich weniger als die geforderten 1,5 Meter. 79 Prozent der gemessenen Überholmanöver lagen unter 1,5 Metern. 34 Prozent lagen sogar unter einem Meter. Die Unterschiede zwischen den sieben Städten waren gering.

Keine Rücksicht auf Kinder im Anhänger

Die Studie untersuchte auch Überholmanöver mit einem Kinderanhänger. Die gleichen Strecken wurden mit und ohne Anhänger befahren (das Verdeck des Anhängers war geschlossen, es sass kein Kind drin).

Das Ergebnis: Autos hielten beim Velo mit Kinderanhänger fast gleich wenig Abstand. Autos überholen auch Velos mit Kinderanhänger in den meisten Fällen näher als 1,5 Meter. Viele Überholvorgänge lagen sogar unter einem Meter.

Sichere Infrastruktur schafft mehr Abstand

Die Infrastruktur beeinflusst den Überholabstand.

Velostreifen können sehr nahe Überholmanöver verhindern. Breitere Velostreifen zeigen dabei tendenziell einen grösseren positiven Effekt. Noch mehr Schutz bieten baulich getrennte Velowege.

Tempo 30 macht das Überholen angenehmer

Bei gleicher Infrastruktur hatte das Temporegime keinen statistisch signifikanten Einfluss auf den mittleren Überholabstand. Bei Tempo 30 und Tempo 50 waren die Überholabstände ähnlich.

Deshalb sind die Resultate der Studie auch ein Plädoyer für mehr Tempo 30: Überholt werden fühlt sich bei tieferem Tempo weniger stressig an. Und bei einem Unfall sind die Folgen oft weniger schwer.

Velofahrer*innen haben das Recht, mit einem sicheren Abstand überholt zu werden. Viel zu oft wird dieses Recht verletzt. Es braucht mehr Platz, tiefere Geschwindigkeiten und klare Regeln.

Edward Weber, Projektleiter

Das Dilemma mit der Velofahrspur

Die Studie untersuchte drei Fahrlinien. Fazit: Die Wahl der besten Fahrlinie ist ein Dilemma, keine Fahrlinie löst das Problem allein. Velofahrer*innen sind nicht dafür verantwortlich, dass Autos genügend Abstand halten.

Überholabstand Fahrspur rechts
VCS/Viviane Barben
Am rechten Rand des Velostreifens

Die Autofahrer*innen überholen mit dem grössten Abstand. Allerdings sind andere Risiken für die Velofahrer*innen bei dieser Fahrlinie gross. Es können plötzlich Türen von parkierten Autos geöffnet werden und mit Abflussdeckeln, Belagschäden oder Scherben lauern weitere Gefahren am Boden. Bei Verkehrsinseln versuchen Autofahrer*innen zudem, trotz wenig Platz zu überholen.

Überholabstand Fahrspur Mitte
VCS/Viviane Barben
In der Mitte des Velostreifens

Das Fahren in der Mitte der Veloinfrastruktur gilt als Standardlinienwahl. Die Autofahrer*innen überholen deutlich zu nahe und Autotüren, die plötzlich geöffnet werden, können ebenfalls ein Problem sein.

Überholabstand Fahrspur links
VCS/Viviane Barben
Am linken Rand des Velostreifens

Diese Fahrlinie wird normalerweise selten freiwillig gewählt. Die Autofahrer*innen überholen hier extrem nahe. Dennoch ist diese Linienwahl oft nötig, um Hindernissen auszuweichen oder nicht mit Autotüren zusammenzustossen, die unvermittelt geöffnet werden. 

Es braucht Verbesserungen auf Hauptstrassen

Auf Haupt- und Nebenstrassen wird ähnlich nahe überholt. Der grosse Unterschied liegt bei der Anzahl der Überholmanöver.

  • Hauptstrassen: durchschnittlich 9,2 Überholmanöver pro Kilometer.
  • Nebenstrassen: durchschnittlich 1,5 Überholmanöver pro Kilometer.

Hauptstrassen sind deshalb der wichtigste Gefahrenort für Velofahrer*innen und Massnahmen auf Hauptstrassen müssen priorisiert werden.

Unsere Forderungen

1. Sichere Veloinfrastruktur

Velofahrer*innen brauchen mehr Platz auf den Strassen. Der VCS fordert:

  • breitere Velostreifen
  • baulich getrennte Velowege

 Das schafft mehr Sicherheit und mehr Abstand.

2. Mehr Tempo 30

Auf Hauptstrassen finden besonders viele Überholmanöver statt. 

Dort braucht es mehr Tempo-30-Strecken.

Bei tieferem Tempo fühlen sich Überholmanöver angenehmer an. Bei einem Unfall sind die Folgen oft weniger schwer.

3. Gesetzlicher Mindestüberholabstand

Innerorts braucht es einen gesetzlichen Mindestabstand von 1,5 Metern. Eine klare Regel:

  • gibt Autofahrer*innen Orientierung
  • schützt Velofahrer*innen
  • schafft Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer*innen
  • macht die Verantwortung beim Überholen klar

Der VCS setzt sich dafür ein, dass dieser Mindestabstand gesetzlich verankert wird. In vielen europäischen Ländern ist das bereits Standard. 

Unterstützen Sie die Kampagne

Häufige Fragen

In der Schweiz ist der Überholabstand gegenüber Velofahrer*innen nur im Grundsatz geregelt. Das Gesetz verlangt lediglich einen «ausreichenden Abstand» gegenüber den Überholten. Was «ausreichend» in Zentimetern heisst, ist unklar. Der VCS fordert beim Überholen von Velos mindestens 1,5 Meter Abstand. Dieser Abstand gibt Velofahrenden mehr Sicherheit und verringert den Stress beim Überholen.

Velofahrer*innen haben keine Knautschzone. Schon kleine Fehler können zu einem Sturz führen. Mehr Abstand lässt mehr Raum für Unsicherheiten und schützt besonders gefährdete Personen.

Die VCS-Studie zeigt einen mittleren Überholabstand von 120 Zentimetern. 79 Prozent der gemessenen Überholmanöver lagen unter 1,5 Metern. 34 Prozent lagen unter einem Meter.

Der VCS fordert sichere Veloinfrastruktur, mehr Tempo 30 und einen gesetzlichen Mindestüberholabstand von 1,5 Metern innerorts.

Sie können die Arbeit des VCS mit einer Spende unterstützen. Damit setzen Sie sich gemeinsam mit uns für sichere Strassen ein.

Edward Weber
VCS

Kontakt

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Edward Weber, Projektleiter Verkehrspolitik, hilft Ihnen gerne weiter.