Studie: Velofahrende werden in Schweizer Städten systematisch zu knapp überholt
Eine neue Untersuchung des VCS Verkehrs-Club der Schweiz zeigt: Autos und Lastwagen überholen Velofahrende in Schweizer Städten meist mit zu wenig Seitenabstand. Bei rund acht von zehn gemessenen Überholmanövern lag der Abstand unter 1,5 Metern – in mehr als einem Drittel der Fälle sogar unter einem Meter. Der VCS fordert sichere Veloinfrastruktur und einen gesetzlich verankerten Mindestüberholabstand von 1,5 Metern.
«Wer mit dem Velo unterwegs ist, braucht genügend Raum, um sich sicher zu fühlen und auf unerwartete Situationen reagieren zu können», sagt Edward Weber, Projektleiter Verkehrspolitik beim VCS. «Die Resultate zeigen: Es darf nicht vom Zufall oder vom guten Willen einzelner abhängen, ob ein Überholmanöver sicher ist. Es braucht klare Regeln und eine Infrastruktur, die sichere Überholmanöver ermöglicht.»
Besonders dringend sind Massnahmen auf Hauptstrassen. Dort wurden durchschnittlich 9,2 Überholmanöver pro Kilometer registriert, auf Nebenstrassen nur 1,5. Die Untersuchung zeigt deutlich: Breitere Velostreifen und baulich getrennte Velowege schaffen nachweislich mehr Abstand. Tempo 30 macht Überholmanöver zudem weniger belastend und kann die Folgen von Unfällen mindern.
Auch bei Velos mit Kinderanhänger liessen die überholenden Fahrzeuge kaum mehr Platz: Sie wurden fast gleich knapp überholt wie Velos ohne Anhänger. Zudem passen Autofahrende ihren Abstand kaum an die gefahrene Geschwindigkeit an. Die Untersuchung zeigt damit ein grundsätzliches Sicherheitsproblem im städtischen Strassenverkehr.
Klarer Überholabstand gehört ins Gesetz
Der VCS verlangt deshalb einen gesetzlich festgelegten Mindestüberholabstand von 1,5 Metern. «Eine verbindliche Regel schützt Velofahrende und schafft Klarheit für alle Verkehrsteilnehmenden», so Weber. Zahlreiche europäische Länder kennen bereits einen gesetzlichen Mindestüberholabstand. In der Schweiz wird lediglich «ausreichender Abstand» und «besondere Rücksicht» gefordert. Edward Weber: «Damit ist das Veloüberholen eine lebensgefährliche Ermessensfrage.» Aus Sicht des VCS ist es dringend nötig, dass die Eidg. Räte hier nachbessern.
Für weitere Auskünfte stehen zur Verfügung:
- Edward Weber, Projektleiter Verkehrspolitik, 079 796 52 89
- Medienstelle VCS, 079 708 05 36, medien@verkehrsclub.ch
Weitere Informationen:
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Die Studie
Der VCS untersuchte gemeinsam mit der Ostschweizer Fachhochschule OST das Überholverhalten auf Velohauptrouten in Bern, Zürich, Genf, Köniz, Burgdorf, Sion und Olten. Ein Testvelo mit Ultraschallsensor erfasste auf rund 1500 Kilometern die seitlichen Abstände der überholenden Fahrzeuge. Der mittlere Überholabstand betrug lediglich 120 Zentimeter – deutlich weniger als die vom VCS geforderten 1,5 Meter. Die Unterschiede zwischen den sieben Städten waren gering.