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Klimastreik

Tatsächlich bin ich gerade etwas konsterniert wegen der aktuellen Campax-Petition gegen den Ausweichverkehr in den Bergen. Nicht, weil ich gegen
die Petition wäre. Ich habe sie selbst unterschrieben. Und vermutlich auch einige andere Klimaaktivist:innen.
Aber was ist die eigentliche Motivation der über 11'000 Petitionär:innen? Geht es um die Verkehrswende oder vor allem um freie Fahrt auf der eigenen Strecke?
Wir alle sind Teil des Verkehrsproblems. In den Bergen genauso wie in unserer Hauptstadt und ihrer Agglomeration. Das hören wir nicht gerne, weil es bedeutet, das eigene Mobilitätsverhalten zu hinterfragen.


Dabei geht es nicht darum, niemandem mehr Mobilität zu ermöglichen. Im Gegenteil: Es geht um bessere Mobilität für alle. Unsere Städte/Dörfer und Verkehrssysteme sind noch immer stark darauf ausgerichtet, Menschen möglichst schnell von A nach B zu bringen, häufig mit dem Auto. Aber Menschen bewegen sich unterschiedlich durch eine Stadt: Kinder und Jugendliche, Eltern mit Kleinkindern, Pendler:innen, Menschen mit Behinderungen und Pensionierte. Sie gehen zu Fuss, fahren Bus, Velo oder Trotti, sind mit Kinderwagen, Rollator oder Lastenvelo unterwegs. Wer unsere Mobilität aus ihrer Perspektive plant, plant anders.


Als Mutter, die regelmässig mit Velo und Kindern in Chur unterwegs ist, erlebe ich gefährliche Situationen immer wieder. Es braucht deshalb eine Verkehrsplanung für Menschen statt für Autos: weniger und langsamerer motorisierter Verkehr, sichere Velowege, breitere Trottoirs, sichere Fussgängerquerungen und genügend Abstellmöglichkeiten für Velos und Lastenräder.
 

Und ja: Der ÖV ist zu teuer. Wir kämpfen dafür, dass es in Graubünden trotzdem keinen Angebotsabbau gibt. Und wir kämpfen national für einen bezahlbaren öffentlichen Verkehr. Denn eine Verkehrswende funktioniert nicht, wenn Menschen zwar aufs Auto verzichten sollen, die Alternativen aber gleichzeitig schlechter oder teurer werden.


Auch die Elektrifizierung von Bussen und Autos kommt nur schleppend voran. Und selbst sie ist nur ein Teil der Aufgabe. Netto Null bis 2050 bedeutet mehr als Verbrennungsmotoren durch Elektromotoren zu ersetzen. Wir müssen grundsätzlich darüber sprechen, wie viel Verkehr wir erzeugen, womit wir unterwegs sind und wie wir unsere Räume gestalten. Weniger Autos und weniger Parkierungsflächen bedeuten nicht einfach nur Verlust. Sie schaffen Platz. Platz für sichere Wege. Für Bäume und Schatten. Für Begegnungen. Für Menschen mit Rollator oder Rollstuhl. Für Kinder. Für Velos und Lastenräder. Für begrünte Plätze und Strassen, die im Sommer nicht zu Hitzeinseln werden.


Die Stadt/ein Dorf der Zukunft ist deshalb eine Stadt/ein Dorf der kurzen Wege: Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Kita, Schule, Freizeit und Begegnung liegen möglichst nahe beieinander. Nicht jede alltägliche Tätigkeit soll zuerst eine Autofahrt notwendig machen. Und Mobilität ist nicht nur eine Klima- und Raumfrage. Unsere Abhängigkeit von fossilen Ressourcen hat auch eine globale Dimension. Öl und Erdgas verschärfen die Klimakrise, und Konflikte um Ressourcen zerstören Lebensgrundlagen von Menschen und Tieren. Wer versucht, weniger fossile Energie zu verbrauchen, tut deshalb mehr, als seinen persönlichen CO₂-Ausstoss zu reduzieren.
Nachhaltige Mobilität ist auch ein Beitrag zu einer friedlicheren und gerechteren Welt.


Die Klimakrise betrifft uns alle. Ich wäre glücklich, wenn diese Erkenntnis nicht nur bei ein paar «verquetschten Ökofreaks» ankommen würde. Fahrt einmal mehr mit dem Velo oder dem Bus. Geht zu Fuss. Bildet Fahrgemeinschaften. Hinterfragt die Selbstverständlichkeit des Autos. Und setzt euch gleichzeitig politisch dafür ein, dass nachhaltige Mobilität bezahlbar, sicher und für alle zugänglich wird. Denn die Verkehrswende darf nicht bedeuten, dass Mobilität zum Privileg wird. Sie muss bedeuten, dass wir mehr Mobilität mit weniger Verkehr ermöglichen und unseren öffentlichen Raum wieder als gemeinsamen Lebensraum begreifen.


Dafür brauchen wir Mut, Experimente und politische Mehrheiten. Und dafür brauchen wir euch. Jetzt.
Für eine Mobilität, die Menschen verbindet. Für sichere Wege. Für bezahlbaren ÖV. Für lebendige Orte. Für eine klimagerechte Zukunft, die allen gehört.


Für den VCS Graubünden an der Klimademo vom 25.9.2026
Yvonne Michel Conrad

 

Petition: https://act.campax.org/petitions/unser-land-unsere-dorfer-schluss-mit-dem-ungebremsten-ausweichverkehr