Weiter zum Inhalt

Drohender Rückstau in Schaffhauser Wohnquartiere

ASTRA prüft neue Autobahn-Ampeln – VCS fordert ein Gesamtkonzept und Vorrang für den öffentlichen Verkehr.

Der Bund will den Verkehr auf den Autobahnen mit neuen Ampelanlagen dosieren und nimmt dafür Rückstaus auf Kantons- und Gemeindestrassen in Kauf. Auch in Schaffhausen werden solche Anlagen geprüft – bislang ohne Einbezug des Kantons und der Gemeinden. Die VCS Sektion Schaffhausen warnt davor, Verkehrsprobleme in die Wohnquartiere zu verlagern. Sie fordert ein koordiniertes Verkehrsmanagement und eine konsequente Priorisierung des öffentlichen Verkehrs.

Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) prüft schweizweit über 120 sogenannte Rampendosierungen. Dabei regeln Ampeln den Zufluss auf die Autobahn. Was dort den Verkehr verflüssigen soll, kann auf den Zufahrtsstrassen zu zusätzlichen Staus führen. Gemäss internen Unterlagen nimmt das ASTRA solche Rückstaus ausdrücklich in Kauf.

Für die VCS Sektion Schaffhausen ist klar: Nationalstrassen dürfen Wohnquartiere nicht noch stärker belasten. Bereits heute leiden die Wohnquartiere unter dem induzierten Verkehr der Nationalstrassen. Ein direkter Rückstau in Quartier- und Schulstrassen muss vermieden werden.

Schaffhausen braucht endlich ein übergreifendes Verkehrsmanagement

Eine sinnvolle Verkehrssteuerung muss National-, Kantons- und Gemeindestrassen gemeinsam betrachten. Genau daran fehlt es in der Agglomeration Schaffhausen. Das erforderliche übergreifende Verkehrsmanagement wurde trotz entsprechender Hinweise des Bundesamts für Raumentwicklung (ARE) bislang nicht umgesetzt. Stattdessen setzte das kantonale Tiefbauamt stark auf neue Kreisel, die sich im Gegensatz zu Ampelanlagen nicht gezielt dosieren lassen.

Besonders kritisch ist die Situation auf der Mühlenstrasse zwischen Schaffhausen und Neuhausen. Bereits heute ist sie eine stark belastete innerörtliche Verkehrsachse. Mit dem geplanten zweiten Fäsenstaubtunnel wäre die Verkehrsmenge dort gemäss ASTRA-Prognosen nochmals um sieben Prozent gestiegen. Dank dem Nein zum Autobahnausbau bleibt uns diese zusätzliche Belastung erspart.

Busse dürfen nicht im Stau stecken bleiben

Besonders gravierend wären zusätzliche Rückstaus für die Verkehrsbetriebe Schaffhausen (VBSH). Bereits kleine Verzögerungen können dazu führen, dass Fahrgäste ihre Anschlüsse verpassen. Damit verliert der öffentliche Verkehr gerade dort an Attraktivität, wo er einen Beitrag zur Entlastung der Strassen leisten könnte.

«Ein Blick nach Deutschland zeigt: Die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs steht und fällt mit seiner Zuverlässigkeit. Wer weniger Stau will, muss dafür sorgen, dass die Busse nicht im Stau stecken bleiben», sagt Sebastian Schmid von der VCS Sektion Schaffhausen.

Der VCS fordert deshalb, Busse im Verkehrsmanagement konsequent zu priorisieren. Dazu gehören insbesondere Ampelpriorisierungen und separate Busspuren an kritischen Engpässen.

Kanton und Gemeinden müssen jetzt handeln

Die VCS Sektion Schaffhausen fordert den Kanton und die Agglomerationsgemeinden auf, gemeinsam mit dem ASTRA ein verbindliches Gesamtkonzept für die Verkehrssteuerung zu erarbeiten – bevor neue Dosierungsanlagen geplant werden. Diese Planungen müssen in das aktuell laufende Agglomerationsprogramm (Generation Nr. 6) aufgenommen werden.

Dabei müssen der Schutz der Wohnquartiere, die Verkehrssicherheit und die Zuverlässigkeit des öffentlichen Verkehrs im Zentrum stehen. Sollte sich zeigen, dass der regionale Busverkehr langfristig nicht mehr zuverlässig betrieben werden kann, ist auch eine Rückkehr zum 15-Minuten-Takt der S-Bahn in den Klettgau zu prüfen.

 

Für den VCS ist entscheidend: Verkehrsmanagement darf nicht bedeuten, den Stau einfach von der Autobahn in die Quartiere zu verschieben. Es muss die Mobilität in der gesamten Agglomeration verbessern – insbesondere für jene, die zu Fuss, mit dem Velo oder mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs sind.