Schulweg im Kanton Genf: Daten aus zehn Jahren
Eine Studie, die über 11 500 Fragebogen auswertet, zeigt, wie Kinder im Kanton Genf ihren Schulweg zurücklegen – und welche Wünsche sie an ihre tägliche Mobilität haben.
Seit über zehn Jahren setzt der VCS Mobilitätskonzepte für Schulen um. Dabei hat er tausende von statistischen Daten sowohl über die tägliche Mobilität der Schüler*innen und ihrer Familien als auch über deren Wünsche gesammelt.
In der Schweiz gibt es bisher keine Untersuchung, welche die Sichtweise der Kinder einbezieht, obschon sie die Protagonist*innen des Schulwegs sind. Vor diesem Hintergrund wollte der VCS die vorhandenen Daten untersuchen und ein klares und quantifiziertes Bild der Schulwegmobilität erhalten.
Die aus den Daten resultierte Studie wurde von der Stiftung MODUS finanziert und vom VCS gesteuert. Durchgeführt wurde sie durch die Büros 6t und Behaviour change expertise sowie der Hochschule für Gesundheit Freiburg und stützt sich auf die umfassenden Daten der VCS Mobilitätskonzepte Schule, die im Kanton Genf in den Jahren 2017 bis 2024 durchgeführt wurden.
Es wurden 11 528 Fragebogen analysiert, wovon 6241 Fragebogen von den Kindern und 5287 von den Eltern ausgefüllt worden waren.
Wenn die Kinder ihr Transportmittel wählen könnten, würden viele gern mit dem Velo (14 Prozent) oder dem Trottinett (13 Prozent) zur Schule fahren. Tatsächlich tun dies jedoch nur 4 respektive 3 Prozent aller Kinder. In ländlichen Gebieten ist diese Differenz zwischen Realität und Wunsch besonders ausgeprägt. Das Velo und das Trottinett haben somit ein enormes ungenutztes Potenzial für den Schulweg.
Die Studie gab Aufschluss darüber, warum Eltern ihr Kind mit dem Auto zur Schule fahren. Der am häufigsten genannte Grund war, dass sich die Schule auf dem eigenen Arbeitsweg (oder auf dem Weg zu anderen Aktivitäten) befindet (40 Prozent).
Im spezifischen Kontext des Kantons Genf ist es schwierig, dieser Abhängigkeit vom Auto entgegenwirken. Mehr als die Hälfte aller erwerbstätigen Personen im Kanton verfügt über einen Parkplatz am Arbeitsplatz (Quelle: La mobilité des habitants du canton de Genève en 2021, OCSAT, 2023, S.10.)
Das führt zu einem «sozialen Dilemma», wie es die Forschung nennt: Die Entscheidung der einen Eltern, ihre Kinder mit dem Auto zur Schule zu fahren, kann andere Eltern davon abbringen, ihre Kinder zu Fuss oder mit dem Velo zur Schule zu schicken. Das endet in einem Teufelskreis: Weil mehr Elterntaxis unterwegs sind, wird der Weg gefährlicher und es werden noch mehr Kinder mit dem Auto zur Schule gefahren.
Die Studie betont die Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Gebieten. Es ist auffällig, dass das Auto auf dem Land stärker genutzt wird als in der Stadt: 20 Prozent auf dem Land gegenüber 7 Prozent in der Stadt.
Es sei daran erinnert, dass in den ländlichen Gebieten viel Autoverkehr, hohe Geschwindigkeiten (Tempo 30 bildet auf Kantonsstrassen trotz klarer Vorteile die Ausnahme) sowie gefährliche Fussgängerstreifen und Trottoirs verbreitet sind.
Der VCS engagiert sich für den Schulweg zu Fuss, mit dem Velo oder mit dem Trottinett. Die Kinder profitieren von den zahlreichen Vorteilen regelmässiger Bewegung: die kognitiven Fähigkeiten steigen, die kardiovaskuläre und die mentale Gesundheit verbessern sich, das Risiko für Adipositas sinkt usw. Schussfolgernd aus der Studie formuliert der VCS verschiedene Empfehlungen.
Geeignete Infrastruktur
Damit mehr Kinder mit dem Velo oder mit dem Trottinett zur Schule gehen, braucht es sichere, qualitativ hochwertige und von Auto- und Fussverkehr abgetrennte Velowege und genügend Abstellplätze. Schulstrassen sind ein wirksames Mittel, um gegen Elterntaxis vorzugehen und die Umgebung von Schulen sicherer zu machen.
Weniger Verkehr und tiefere Tempos
Weniger Autoverkehr und tiefere Tempolimiten erhöhen die tatsächliche und die wahrgenommene Sicherheit. Nimmt der Verkehr rund um Schulen ab, zum Beispiel dank einer Schulstrasse, kann die Anzahl der Kinder gesteigert werden, die zu Fuss, mit dem Velo oder mit dem Trottinett zur Schule gehen. Auf Strassen in der Nähe von Schulhäusern sollte Tempo 30 eingeführt werden.
Umfassende Berücksichtigung des Mobilitätsverhaltens
Viele Eltern geben als Hauptgrund für Elterntaxifahrten an, dass der Schulweg auf ihrem Arbeitsweg liegt. Deshalb sind auch Massnahmen am Arbeitsort der Eltern wichtig, wie beispielsweise Parkgebühren oder eine Reduktion der Parkplätze. Gleichzeitig kann es sinnvoll sein, die Zufahrt zur Schule zu erschweren, etwa mit einer Schulstrasse.
Sensibilisierungsmassnahmen
Sensibilisierungsmassnahmen wie «walk to school» und der internationale Tag zu Fuss zur Schule oder Hilfestellungen wie Pedibus-Linien können dabei helfen Elterntaxis entgegenzuwirken und die betroffenen Personen wie Kinder, Eltern und Schulen direkt einzubeziehen.
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Zones 30 et zones de rencontre
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