Preiserhöhungen gefährden die Verkehrswende
Die ÖV-Tarife steigen überdurchschnittlich stark. Nun steht eine weitere happige Preiserhöhung an. Wir wehren uns dagegen und warnen davor, dass der öffentliche Verkehr insbesondere gegenüber dem Autoverkehr an Attraktivität verliert.
Alliance SwissPass ist die Branchenorganisation des öffentlichen Verkehrs (ÖV), welche die Tarife im Schweizer ÖV festlegt. Ende März kündigte sie an, dass die ÖV-Preise mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026 um durchschnittlich 3,9 Prozent steigen sollen. Die Preiserhöhungen sollen differenziert erfolgen, Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien sollen nicht oder nur leicht teuerer werden. Das Halbtax soll 5 Franken mehr kosten. Nach Diskussionen mit dem Preisüberwacher hat Alliance Swiss-Pass an den Preiserhöhungen in ihrem definitiven Entscheid Anfang August grundsätzlich festgehalten. Lediglich beim GA fällt die Erhöhung tiefer aus als ursprünglich geplant, die durchschnittliche Preiserhöhung über alle Angebote hinweg liegt bei 3,6 Prozent.
Begründet werden die Preiserhöhungen mit der allgemeinen Teuerung, die auch die Kosten für die ÖV-Unternehmen erhöht, sowie notwendigen Investitionen, um dem Passagierzuwachs gerecht zu werden. Auch Sparmassnahmen des Parlaments im regionalen Personenverkehr und der Wegfall der Rückvergütung der Mineralölsteuer ab 2027 werden als Begründung angeführt.
ÖV-Preise steigen schneller als Teuerung
Doch gerade das Argument Teuerung ist für Preiserhöhungen beim ÖV problematisch. Ein langjähriger Vergleich des Preisüberwachers zeigt, dass die Preise im ÖV in den letzten Jahren überdurchschnittlich stark gestiegen sind. Zwischen 1990 und 2024 haben sich die ÖV-Preise verdoppelt, während der Landesindex der Konsumentenpreise im selben Zeitraum um 40 Prozent gestiegen ist. Die Kosten für den motorisierten Individualverkehr (Fahrzeugkosten, Treibstoff, Versicherungen, Steuern etc.) sind im selben Zeitraum um nur 24 Prozent gestiegen. Relativ betrachtet ist Autofahren damit sogar günstiger geworden.
Noch deutlicher wird die Diskrepanz, wenn man den Zeitraum von 2010 bis 2024 anschaut. Mit plus 12 Prozent sind die Preise im ÖV doppelt so stark gestiegen wie die allgemeine Teuerung (6 Prozent). Autofahren ist im selben Zeitraum sogar rund 5 Prozent günstiger geworden.
Die Forderungen des VCS
Der VCS hat auf die angekündigte Preiserhöhung mit einem offenen Brief an die Alliance SwissPass reagiert. Im Brief, der innert weniger Tage von über 6600 Menschen unterzeichnet wurde, haben wir die Preiserhöhungen kritisiert und stattdessen gezielte Vergünstigungen gefordert. Preissignale müssen den Einstieg in den ÖV fördern – nicht erschweren. Gerade bei Kindern und Jugendlichen sind eher Preissenkungen angebracht. Wer in jungen Jahren mit dem ÖV unterwegs ist, bleibt ihm meist ein Leben lang treu. Auch das Halbtax-Abo sollte nicht teurer werden.
Wichtig ist auch, dass Fahrgäst*innen der 2. Klasse nicht überproportional belastet werden. Sie tragen bereits heute mutmasslich mehr zur Finanzierung des Gesamtsystems bei als die Kundschaft der 1. Klasse. Zudem ist zu erwarten, dass die Passagier*innen der 2. Klasse sensibler auf Preisänderungen reagieren und allenfalls aufs Auto umsteigen könnten.
Der VCS anerkennt den hohen Investitionsbedarf im ÖV. Doch Angebot, Zuverlässigkeit und Preise müssen in einem guten Verhältnis zueinander stehen. Geht zudem die Preisschere zwischen ÖV und motorisiertem Individualverkehr weiter auseinander, wird es schwierig, mehr Menschen für den Umstieg vom Auto auf den ÖV zu gewinnen.