Abgas-Betrug – Echte Schadstoffmessungen gefordert

Dieselautos stossen zu viel Stickoxid aus

Seit September 2015 ist bekannt, dass VW illegale Software eingesetzt hat, um die Stickoxid-Grenzwerte einzuhalten. Auch andere Autohersteller nutzen regulatorische Schlupflöcher aus, um die Grenzwerte nur im Messlabor, nicht aber im Realbetrieb ihrer Dieselfahrzeuge einhalten zu müssen.

Feldmessungen zeigen, dass Dieselmodelle bis zu 17-mal höhere Stickoxid-Emissionen aufweisen als erlaubt und in den letzten 10 Jahren trotz strengerer Zulassungsgrenzwerte kaum sauberer geworden sind. Im Durchschnitt stossen Dieselautos 5-mal mehr Stickoxide aus als erlaubt.

Wie die Autohersteller die Abgaswerte manipulieren

Um die Abgasgrenzwerte zu umgehen, setzen die Autohersteller auf sogenannte Abschalteinrichtungen. Die Abgasreinigung läuft nur unter den spezifischen Bedingungen, die für den Zulassungstest für die Typengenehmigung vorgegeben sind – sonst wird sie einfach deaktiviert.

Dadurch lassen sich einfachere und billigere Abgasreinigungs-Anlagen in die Autos einbauen – die Autohersteller umgehen die Grenzwerte, um Geld zu sparen.

Bisher bekannt wurden folgende Betriebszustände, unter denen gewisse Autos die Leistung der Abgasreinigung reduzieren oder abschalten:

  • ab einer bestimmten Temperatur (z.B. unter 17 Grad Celsius, über 30 Grad Celsius)
  • 22 Minuten nach Beginn der Fahrt (der Test dauert 20 Minuten)bei Motordrehzahl von über 2‘400 Umdrehungen pro Minute
  • ab einer Höhe von 850 m.ü.M. (das höchste Prüflabor liegt bei Madrid auf 700 Meter)
  • ab einer bestimmten Geschwindigkeit (über 145 km/h)

Mehr zu den Messergebnissen

Grenzwerte und Prüfverfahren

Aufgrund unrealistischer Prüfverfahren werden Abgasgrenzwerte meist nur im Labor eingehalten. Der VCS setzt sich dafür ein, dass realistische Abgastests rasch für alle Neufahrzeuge eingeführt werden.

Link zu Grenzwerten

Lastwagen und Stickoxide

Auch Lastwagen stossen manchmal viel mehr Stickoxide aus als erlaubt. Dank strenger Zulassungstests ist dies jedoch viel seltener als bei den Personenwagen. Bei den Lastwagen sind es nicht die Hersteller, sondern einzelne Transporteure, die mittels illegaler Manipulationen an den Lastwagen den Schadstoffausstoss erhöhen.

Mehr zum AdBlue-Betrug bei Lastwagen

Stickoxide machen krank

Stickoxide sind gefährliche Luftschadstoffe, die krank machen und die Umwelt schädigen. Die fortdauernde Belastung der Atemluft mit Stickoxid in vielen Gegenden Schweiz geht vor allem auf den hohen Anteil Diesel-Fahrzeuge und deren  hohe Emissionen zurück.

Forderungen des VCS

Der VCS fordert, dass in der Schweiz ab September 2017 nur noch Diesel-Neuwagen verkauft werden dürfen, deren NOx-Emissionen auch im normalen Betrieb auf der Strasse unter dem neuen RDE-Grenzwert liegen.

Forderungen des VCS

Empfehlungen für Autokäufe

Aufgrund der aktuellen Situation rät der VCS vom Kauf von Dieselautos ab. Im Durchschnitt stossen die aktuellen Dieselmodelle etwa 5-mal mehr Stickoxide aus als erlaubt. Aufgrund drohender Fahrverbote in einigen Ländern und neuer Abgasgrenzwerte ist zudem mit einem verstärkten Restwert-Verfall für aktuelle Dieselmodelle zu rechnen.

Weitere Informationen in unserer Auto Umweltliste

Ausgewählte Medienberichte zum Thema

Die Empa misst 17-fache Überschreitung des Stickoxid-Grenzwerts bei Renault Mégane. Gemäss Juristen könnte der Bundesrat den Import von Dieselautos stoppen, die zu viel Stickoxide ausstossen. 

Zahlreiche Abschalteinrichtungen werden eingesetzt, um die Stickoxid-Grenzwerte zu umgehen. Das Bundesamt für Strassen ASTRA behauptet, es könne nichts dagegen unternehmen.